Viva-Chef Gorny: "Wir machen Kultur, keine Kekse"

AOL Time Warner rangelt mit Viacom um den Musiksender Viva, um einen FuĂź auf den deutschen TV-Markt zu bekommen.

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  • dpa

Viva-Vorstandschef Dieter Gorny hat die Diskussion um eine mögliche Übernahme des Kölner Musiksenders durch US-Medienkonzerne als einen hochpolitischen Prozess bezeichnet. "Wir machen Kultur und keine Kekse", sagte Gorny am Mittwoch in einem dpa-Gespräch in Köln. Hintergrund sind Medienberichte, wonach sich die Konzerne AOL Time Warner und Viacom eine Übernahmeschlacht um Viva liefern. Viacom gehört der Viva-Konkurrent MTV. Mit AOL steht Viva bereits in enger Verbindung: Im Januar startete Viva Plus -- AOL gehören 49 Prozent an dem Nachfolgeprogramm des erfolglosen Viva Zwei.

"Ich gehe davon aus, gerade vor dem Hintergrund der Umwälzungen in der Medienlandschaft, bedingt durch die Kirch-Krise, dass beide Konzerne ein großes Interesse an einem für sie positiven politischen Gesamtklima haben müssen", sagte Gorny. Er könne sich durchaus vorstellen, beide Konzerne könnten ein über Viva hinausgehendes Interesse am deutschen Fernsehmarkt haben.

Zwar seien Viva und MTV als Bestandteil des Fernsehmarktes prozentual vernachlässigbar. "Aber im Bereich des Musikmarktes sorgen sie dafür, dass Musik als Kulturgut zu den Konsumenten kommt." Das sei eine Nadelöhr-Funktion. Wenn dabei eine Monopolsituation entstehe, könne das auf politische Vorbehalte stoßen, was sich durch die aktuelle Diskussion bestätige.

Staatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) hatte -- wie auch andere Medienpolitiker -- im Zusammenhang mit den Übernahmegerüchten vor einer Einschränkung in der Musikkultur gewarnt. "In Deutschland haben wir einen Fernsehmarkt, der hoch reguliert ist und das macht auch einen Teil der Medienkultur aus", sagte Gorny.

Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit eines starken Partners für Viva, um international weiter erfolgreich zu sein. "Eine Klärung der Gesellschafterstruktur ist für die Zukunft des Unternehmens wichtig. Jeder der beiden Konzerne ist an Profitabilität und an Wachstum interessiert und beides kann man nur sichern, wenn man das Unternehmen nicht beschädigt", sagte Gorny. (dpa) / (tol)