Datenspeicherwut soll Herstellern weiteres Wachstum bringen

Auf der Fachkonferenz Storage Networking World in Cannes wurden bereits wieder Wachstumsszenarien gehandelt -- insbesondere fĂĽr den Software-Bereich.

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  • Andreas Von Hippin
  • dpa

Die explosionsartige Zunahme der von Unternehmen gespeicherten Datenmengen hat nicht nur Informationstechnik-Experten Alpträume beschert. Die Speicherwut hat auch dafür gesorgt, dass den Herstellern von Speichersystemen bis heute trotz der Krisen der Computerbranche größere Verluste erspart geblieben sind.

Auf der Fachkonferenz Storage Networking World in Cannes wurden bereits wieder Wachstumsszenarien gehandelt -- insbesondere fĂĽr den Software-Bereich. Dennoch bezeichnete der Speichermanagement-Chefstratege von Computer Associates, Nigel Turner, eine weitere Konsolidierung der Branche am Mittwoch als "unvermeidlich".

Die führenden Hersteller üben sich in "Coopetition" -- einer Mischung aus Wettbewerb und Zusammenarbeit: IBM gibt nicht nur die Produktion von HDD-Festplatten an Hitachi ab, sondern arbeitet auch bei neuen Konzepten für die "Virtualisierung" von Speicherplätzen und offene Standards mit dem japanischen Konkurrenten zusammen.

Der Speicher-Hardware-Experte EMC hat vor kurzem eine Vertriebskooperation mit der Dell Computer Corp. bekannt gegeben. Der weltweit führende PC-Hersteller ist selbst auf dem Speichermarkt aktiv. Auf der Konferenz kursierten zudem Gerüchte über Übernahmegespräche zwischen EMC und BMC Software. BMC-Vizepräsident Helmuth Klemm kann die Gerüchte weder bestätigen noch dementieren.

Ganz oben auf der Tagesordnung stand in Cannes neben der Datensicherheit ein Thema: Bluefin. Dieser neue Standard soll fĂĽr eine leichtere Handhabung von SAN-Datenzentren sorgen. Bislang sorgen Probleme bei der VerknĂĽpfung von Systemen unterschiedlicher Hersteller in SANs (Storage Area Networks) fĂĽr erhebliche Ineffizienzen: Laut den Marktforschern von Forrester Research sind die Speichersysteme in den Rechenzentren fĂĽhrender Unternehmen nur zu 65 Prozent ausgelastet.

Ende Juni will der Branchenverband Storage Networking Industry Association (SNIA) über die Einführung entscheiden. "Bluefin bietet eine gute Basis für eine weitere Standardisierung", sagte Lynne VanArsdale vom SNIA-Lenkungsausschuss. "Die Akzeptanz von Standards hat stark zugenommen", stellte der Vorsitzende des damit befassten europäischen SNIA-Komitees, Jürgen Deicke, fest. Im Konferenzhotel konnte ein Speicher-Netzwerk besichtigt werden, das Produkte verschiedener Hersteller verband. "Die Kunden wollen offene Standards, weil es dadurch für sie billiger wird", weiß der für Speichermanagement-Software zuständige IBM-Generaldirektor Michael Zisman.

"Die Marktforscher von Gartner und IDC kommen zu nahe beieinander liegenden Ergebnissen, wenn es um den Umsatz mit Speichermanagement-Software in fĂĽnf Jahren geht", sagte Zisman. FĂĽr 2006 erwarten sie 14 Milliarden bis 15 Milliarden Dollar Umsatz. Das entspreche der Umsatzprognose fĂĽr Speicher-Netzwerke fĂĽr dasselbe Jahr.

"Software ist zu einem bedeutenden Teil des Speichergeschäfts geworden", konstatierte der IBM-Manager. Die Wertschöpfung verlagere sich schnell aus dem Hardware-Bereich in die Segmente Software und Dienstleistungen. Im vergangenen Jahr hatte das Segment Software IDC zufolge noch einen Anteil von lediglich 10 Prozent am 58 Milliarden US-Dollar schweren Gesamtmarkt.

Neue Wettbewerber drängen in den Speichermarkt: "Microsoft wird versuchen, seine Windows-Plattform mit entsprechenden Funktionalitäten attraktiver zu machen", glaubt Nigel Turner von Compter Associates. Angesichts der Stärke der Marke und des Marketings von Microsoft sei dies eine echte Herausforderung. Cisco will sich bei der Vernetzung von Speichersystemen beteiligen. "Es ist ein unberührter Markt", meint der Europa-Bereichsleiter Bernard Zeutzius.

Aber auch Magnetband wird weiterhin eine große Rolle bei der Speicherung von Unternehmensdaten spielen. "Wir sind es gewöhnt, mit schwachen Margen zu arbeiten", sagte Jon Williamson von Sony, einem der wichtigsten Hersteller in diesem Marktsegment. Die abgesetzten Mengen machten dies wieder wett. (Andreas Hippin, dpa-AFX) / (anw)