Kontroverse um Biometrie in Schulbibliotheken in Großbritannien
Zur Kostenreduzierung im Schulbibliothekswesen werden an bereits 350 Schulen in Großbritannien Kinder ab dem Alter von sieben Jahren per Fingerabdruck identifiziert.
Zur Kostenreduzierung im Schulbibliothekswesen werden an bereits 350 Schulen in Großbritannien Kinder ab dem Alter von sieben Jahren per Fingerabdruck identifiziert -- insgesamt dürfte die Einführung des Biometrie-Systems mehr als 200.000 Schülerinnen und Schüler betreffen. Da dies auch ohne Einwilligung der Eltern praktiziert wird, laufen jetzt erste Klagen auf Löschen der Fingerabdrücke der Kinder.
Die Bürgerrechtsorganisation Privacy International bezeichnet die Einführung des Biometrie-Systems der Firma Micro Librarian Systems "nicht nur als gefährlich, sondern auch als unnötig und illegal". Es sei befremdend, meint Simon Davies, Direktor von Privacy International, dass der Information Commissioner -- in etwa mit dem Datenschutzbeauftragten in Deutschland vergleichbar -- es unterstütze, leicht beeindruckbaren Kinder etwas zu unterzujubeln, was diese noch nicht beurteilen könnten.
Privacy International attackiert die Behörden, die diese Praxis ermöglicht haben, mit dem Vorwurf, den kompletten Überwachungsstaat der Zukunft vorzubereiten. Der Information Commissioner habe damit nicht nur Bürgerrechte massiv beschädigt, sondern auch die Reputation seines Amtes verspielt. Ein hoher Beamter des genannten Amts hatte die Einführung des Fingerabdruck-Systems begrüßt, weil es in Einklang mit den Datenschutzgesetzen stehe. Auch sei erschütternd, kommentierte Davies, dass auch das Bildungsministerium diese Praxis einfach gestattet habe, ohne Rücksprache mit den Eltern zu nehmen. (Ekkehard Jänicke) / (jk)