Favoriten für IT-Großauftrag der Bundeswehr setzen auf Mittelstand
25 Prozent des Auftragsvolumens beim IT-Projekt "Herkules" der Bundeswehr soll nach dem Willen des favorisierten Konsortiums an Mittelständler gehen.
Beim milliardenschweren Bundeswehr-Privatisierungsprojekt "Herkules", das die Modernisierung der Telekom- und Datennetze beinhaltet, sollen auch mittelständische Unternehmen profitieren. Das sehen zumindest die Pläne des Konsortiums ISIC 21 unter der Führung des IT-Dienstleisters CSC Ploenzke vor, das bei der Auftragsvergabe die Nase vorn hat. Eine Vorentscheidung zu Gunsten von ISIC 21, dem auch der Rüstungskonzern EADS und die Telefonfirma MobilCom angehören sei gefallen, bestätigten die drei Unternehmen. Die Bundeswehr nimmt mit diesem Konsortium exklusive Verhandlungen auf. "Wir werden 25 Prozent des Auftragsvolumens an Mittelständler weitergeben", sagte Ploenzke-Chef Peter Strabel gegenüber dpa.
Für die Überholung der IT-Infrastrukturen sucht die Bundeswehr einen Partner. Dazu soll ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden, an dem die private Wirtschaft zu 50,1 Prozent beteiligt sein soll. Der Gesamtauftrag umfasst rund 6,5 Milliarden Euro für die kommenden zehn Jahre. Wichtigste Aufgabe wird die flächendeckende Einführung von Software des Waldorfer Unternehmens SAP in Verwaltung und Logistik der Bundeswehr sein. Das Projekt "Herkules" war allerdings vor einiger Zeit wegen Korruptionsvorwürfen in die Schlagzeilen geraten, die der Bundesrechnungshof auf Grund von Informationen aus Kreisen der beteiligten Bundeswehr-Behörden untersuchte.
Das künftige Gemeinschaftsunternehmen will von Beginn an nach zusätzlichen Kunden der öffentlichen Hand suchen. "Durch dieses eigenständige Drittgeschäft stellt ISIC 21 die Übernahme der Bundeswehrmitarbeiter sicher und garantiert deren Arbeitsplätze", betonte Ploenzke-Vorstand Andreas von Schoeler. Ungefähr 6.000 Bundeswehr-Mitarbeiter werden in das Gemeinschaftsunternehmen übernommen -- dies wurde unter anderem auch schon einmal als Grund genannt, warum die Telekom einem mit ISIC 21 konkurrierenden Konsortium bessere Chancen für die Auftragsvergabe verschaffen könnte: Bundeswehr-Beamte können nur von Firmen übernommen werden, die über einen hoheitlichen Status verfügen. Die Telekom, die noch heute so genannte ruhig gestellte Beamte beschäftigt, verfügt noch über diesen Status.
Das Interesse von Bund, Ländern und Kommunen an einer Auslagerung ihrer IT-Infrastruktur sei groß. "Das ist ein stark wachsender Markt, der in fünf Jahren mehrere 100 Millionen Euro umfassen wird." Schwächstes Glied in dem Konsortium ist allerdings die angeschlagene MobilCom. Die Situation bei dem norddeutschen Telefon-Unternehmen ist nach eigenen Angaben auch Gegenstand von Gesprächen mit der Bundeswehr gewesen. "Wir stehen zu der Partnerschaft mit Mobilcom", betonte Strabel. Im Falle von Problemen gebe es aber viele Anbieter, die grundsätzlich deren Aufgaben übernehmen könnten. So könnte dann im Zweifelsfall doch noch die Telekom-Tochter T-Systems für die Einrichtung der Netzwerkinfrastruktur zum Zuge kommen. (jk)