Online-Auktionshaus Swoopo: Kunde entscheidet über den Zuschlag [Update]
Allein Produkte zu versteigern reicht dem Auktionshaus Swoopo nicht mehr. Künftig haben Bieter jederzeit die Möglichkeit, durch direkten Kauf aus einer Auktion auszusteigen.
Die Hoffnung auf ein Schnäppchen treibt viele Verbraucher auf die Webseiten von Online-Auktionshäusern, unter denen eBay noch immer der populärste Vertreter ist. Doch daneben versuchen sich viele weitere Unternehmen mit – auf den ersten Blick – zum Teil "verlockenden" Auktionsvarianten. So starten beispielsweise bei Swoopo alle Versteigerungen grundsätzlich bei Null – und mit jedem abgegebenen Gebot (kosten jeweils 50 Cent) erhöht sich der Preis nur um wenige Cent. Obwohl sich mit jedem Gebot aber auch die Dauer der Auktion verlängert, erscheinen die Produkte bei dieser Versteigerungsvariante lange Zeit als Schnäppchen – den Zuschlag kann aber, wie üblich, nur ein Bieter bekommen. [Update: Unumstritten ist Swoopo allerdings nicht: Kritiker bezeichnen das Geschäftsmodell schon einmal als moderne Form des Glücksspiels für den Kunden, bei dem Swoopo auf der sicheren Seite steht und mit jedem Gebot Geld verdient.]
Swoopo will nun das Vorgehen bei den Auktionen erweitern. "Mit dem Direktkauf führen wir jetzt ein völlig neues Konzept im E-Commerce ein", erklärt Vorstand Gunnar Piening. "Ab sofort besteht für jeden Teilnehmer die Möglichkeit, das Produkt zu einem günstigen Preis zu kaufen, wenn er nicht mehr mitbieten möchte." Für alle anderen läuft die Auktion aber unverändert fort. Pro laufender Versteigerung hofft Swoopo somit künftig mehr als ein Produkt absetzen zu können. "Dabei spielt es keine Rolle, wie viele Bieter sich für den Direktkauf entscheiden. Wir garantieren, dass der Artikel in ausreichender Menge zur Verfügung steht", ergänzt Piening. Die neue Option wird zunächst zum Test in Deutschland und Österreich angeboten. Swoopo behält sich jedoch vor, den Direktkauf jederzeit ohne Angabe von Gründen wieder einzustellen.
Die neue Variante dürfte derweil vor allem für jene Bieter eine willkommene Alternative sein, die im Verlauf einer sich hinziehenden Auktion die Geduld verlieren, den Fernseher, das Notebook oder Handy aber unbedingt haben wollen. Reizvoll erscheint der Direktkauf sicher aber auch Teilnehmern, die bereits über eine Vielzahl von Geboten einen größeren Geldbetrag in eine Auktion investiert haben und nicht riskieren wollen, alles zu verlieren. Denn Swoopo will den Einsatz komplett als Rabatt auf den Direktkaufpreis anrechnen, der in der Regel den unverbindlich empfohlenen Verkaufspreis des Herstellers entsprechen dürfte. Unter diesen Gesichtspunkten erscheint die neue Option durchaus attraktiv – sowohl für Kunden des Portals als auch für das Online-Auktionshaus selbst, das auf den Absatz größerer Stückzahlen und höhere Umsätze hoffen darf.
Swoopo wird von der Münchner Entertainment Shopping AG betrieben, die das Auktionshaus vor rund vier Jahren – damals noch unter dem Namen TeleBid – gegründet hatte. Geführt wird Swoopo von einem Managementteam rund um CEO Gunnar Piening, der bis Mitte 2006 Chef des mittlerweile von Microsoft gekauften Verbraucherportals Ciao war. Nach eigenen Angaben zählt Swoopo etwa 2,5 Millionen registrierte Kunden und versteigert monatlich bis zu 10.000 Produkte – vornehmlich aus den Bereichen Unterhaltungselektronik, Computer, Telekommunikation. Nach knapp elf Millionen Euro im Jahr 2007 hat Swoopo den Umsatz im vergangenen Jahr nahezu verdoppeln können, auf 21,7 Millionen Euro.
In dem US-Investor August Capital fand CEO Gunnar Piening einen erfahrenen Wagniskapitalgeber aus dem Silicon Valley, der in der Vergangenheit bereits erfolgreich in Unternehmen wie Microsoft, Symantec, Skype oder Shopping.com investierte. Im April 2009 steuerte August Capital nun 7,5 Millionen US-Dollar für Swoopo bei, die unter anderem für die weitere internationale Expansion des Auktionshauses – insbesondere auch in den USA, wo Swoopo seit Ende 2008 vertreten ist – genutzt werden sollen. (map)