Das erste Bio-Handy ist ein Doppelfunker
Nach Bio-Eiern und Bio-Milch -- aber auch Bio-Diesel und Bio-Zigaretten -- kündigt sich nun das erste Bio-Handy an.
Eier und Milch aus biologischem Anbau rechtfertigen ja ihre Gesundheit suggerierende Vorsilbe "Bio" zumindest nicht nur theoretisch, aber Bio-Diesel, der ähnlich wie der normale rußt, oder gar Bio-Zigaretten fasst mancher Zeitgenosse bestenfalls als verunglückte Wort-Chimären auf. Die französische Firma Lexibook setzt diese Reihe nun mit ihrem BioPhone MP100 fort, einem "extrem strahlungsarmem Handy", wie es heißt.
Die Papierwerte lassen zwar tatsächlich aufhorchen -- der Hersteller gibt für sein Gerät ein Zwanzigstel der üblichen Mobilfunk-Strahlung an --, doch näher besehen entpuppt sich das MP100 als wohl ähnlich strahlungsarm wie jene Handys, die Audio-Kanäle zu schnurlosen Headsets mittels dem Bluetooth-Funk öffnen können. Zu solchen Kombinationen zählen etwa das Sony Ericsson T68i und das HBH-15-Headset oder Nokias 8910 und das Motorola-Headset, um nur zwei zu nennen.
Entsprechend besteht das MP100 auch aus zwei Komponenten, die untereinander mittels Bluetooth kommunizieren. Anders als bisherige Bluetooth-Kombis hat es jedoch für den Mobilfunkkontakt kein vollständiges Handy, sondern einen Sendeempfangsteil inklusive Akku und SIM-Karte. Es wird von der zweiten Komponente, einem Handgerät mit Akku, Lautsprecher, Mikro und Wähltastatur via Bluetooth gesteuert. Bis auf den Preis und das Erscheinungsdatum -- das BioPhone MP100 soll im September für knapp 700 Euro in den Handel kommen -- nannte die Firma zunächst keine weiteren Details. Das Gerätekonzept erscheint aber dennoch sehr interessant: So gesehen hätte der Hersteller einen Bio-Namen nicht nötig.
Die "Strahlungsarmut" leiten die Franzosen davon ab, dass das Mobilfunk-Teil in einem separaten Gehäuse untergebracht ist und daher nicht direkt am Kopf getragen wird, sondern entsprechend der Bluetooth-Spezifikation bis zu 10 Meter entfernt sein kann. In der Praxis dürfte es jedoch wie übliche Bluetooth-Handys oft weit näher am Kopf funken und wohl als Hemd- oder Hosentaschenwärmer fungieren. "Strahlungsarm" am BioPhone ist also keineswegs das GSM-Sendeempfangsteil, sondern der Bluetooth-Funk -- in der verwendeten Ausführung als Klasse-3-Gerät arbeitet Bluetooth mit lediglich einem Milliwatt Sendeleistung. GSM-Handys sind hingegen für bis zu 2 Watt ausgelegt. Sogar die am "lautesten" funkenden Bluetooth-Geräte der Klasse 1 kommen maximal auf nur 100 Milliwatt. (dz)