Frankfurt -- von Mainhattan zur "Internet-Hauptstadt"

Untersuchungen zufolge sind derzeit in der Mainmetropole deutschlandweit die meisten Menschen online. Zudem befinden sich hier das DeNIC sowie der Austauschknoten De-CIX.

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Von
  • Gregor Tholl
  • dpa

Frankfurt hat die Meisten -- Einwohner mit Internet-Zugang zumindest. Untersuchungen zufolge sind derzeit in der Mainmetropole deutschlandweit die meisten Menschen online. Zudem befinden sich in der Finanzmetropole auch das DeNIC, die zentrale Registrierungsstelle aller .de-Domains sowie der wichtigste Austauschknoten De-CIX fĂĽr das deutsche Internet. In Frankfurt meint man also, sich mit Fug und Recht Deutschlands Internet-Hauptstadt nennen zu dĂĽrfen.

Insgesamt wird in Deutschland das Internet trotz Dot.Com-Krise und Wirtschaftsflaute immer beliebter. Derzeit gibt es etwa 26,7 Millionen Internet-Nutzer in Deutschland, wie die Forscher des Instituts TNS/EMNID bei der repräsentativen Befragung von 30.000 Menschen über 14 Jahren ermittelten. Das sind rund drei Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Im letzten Jahr war Berlin noch mit einem Anteil von 45 Prozent Hochburg der Internetnutzer. Abgelöst wurde die Bundeshauptstadt nun von Frankfurt. Dort sind derzeit 53 Prozent der Einwohner online.

Etwas mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung (50,1 Prozent) nutzt nach wie vor das Internet nicht und plant auch nicht seine Anschaffung. Nichtnutzer sind meistens älter und überwiegend weiblich. Sie gelten als weniger gebildet und haben ein deutlich niedrigeres Einkommen als der Durchschnitt. Sie leben meistens auf dem Land und überwiegend in Ostdeutschland. Verfügen in den westlichen Bundesländern gut 43 Prozent über einen Internetanschluss, sind es in Ostdeutschland nur 37 Prozent.

Auch bei der Anmeldung von Internet-Domainnamen gibt es regionale Unterschiede, kann man beim DeNIC erfahren. Die meisten Domains, bezogen auf die Einwohnerzahl, gibt es demnach in München. Auf tausend Münchner kommen 163 Domains. Ähnlich hohe Zahlen erreichen nach der DeNIC-Statistik auch Bonn und Düsseldorf. Lässt man die Stadtstaaten beiseite, ist auf der Ebene der Bundesländer Hessen Spitzenreiter. 72 Domains kommen dort auf tausend Einwohner. Zu verdanken ist dies vor allem dem Rhein-Main-Gebiet und dessen Metropole Frankfurt.

Frankfurts Industrie- und Handelskammer (IHK) rief Frankfurt bereits vor zwei Jahren zu "Deutschlands Internet-Hauptstadt" aus. Damals lag dies vor allem an den vielen New-Economy-Firmen, die sich im Ostend ansiedelten, aber auch an der Infrastruktur-Branche, die sich das zentral gelegene Frankfurt als wichtigen Standort ausgesucht hatte. In der Tat pulsiert in Frankfurt Deutschlands elektronisches Herz. 85 Prozent der inländischen und 35 Prozent der europäischen Datenströme laufen über den Internet-Knoten De-CIX (Deutscher Commercial Internet Exchange), über den auch die Backbone-Verbindungen nach London und in die USA hergestellt werden. Der De-CIX befindet sich in einem unscheinbaren, aber aufwändig bewachten Flachbau im Frankfurter Ostend.

Fiele der Strom in diesem Haus aus, wäre Deutschland offline. Damit das nicht passiert, werden zehntausende Liter Treibstoff gelagert, die im Notfall zwei Dieselmotoren anspringen lassen würden. Weltweit gibt es mehr als 150 dieser Datendrehkreuze. Das Frankfurter De-CIX gehört jedoch neben London, Amsterdam, New York und Paris zu den fünf wichtigsten weltweit. Mehr als 90 Provider haben im De-CIX ihre Router untergestellt oder gemietet. Eigentümer der Anlage ist der Verband "Electronic Commerce Forum" (eco), zu dessen Mitgliedern eben jene Provider zählen, die im De-CIX ihre Router unterstellen. (Gregor Tholl, dpa) / (jk)