Commerzbank sucht nach neuen Partnern für die Kirch-Übernahme
Die WAZ-Gruppe wagt den Einstieg ins TV-Geschäft nun doch nicht und zeigt der Bank deshalb die kalte Schulter.
Die WAZ-Gruppe wagt den Einstieg ins TV-Geschäft nun doch nicht und zeigt der Bank deshalb die kalte Schulter. "Wir bedauern die Absage der WAZ", sagte ein Commerzbank-Sprecher am Dienstag in Frankfurt. Das Kreditinstitut wolle das Projekt aber weiterführen. Mögliche neue Partner wurden nicht genannt. Bei der WAZ steht nach dem Nein der Geschäftsführung noch die Entscheidung der Gesellschafter des Familienkonzerns aus. Es ist aber zu erwarten, dass sich diese der Empfehlung des Managements anschließen. Als weitere Interessenten gelten die Verlage Axel Springer (Bild) und Heinrich Bauer (Bravo, Praline).
Die Gruppe um die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" sowie die Commerzbank und das Filmstudio Columbia hatten eine gemeinsame Übernahme der KirchMedia mit ihrem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 geprüft. Die WAZ-Geschäftsführung sprach sich aber am Montagabend einstimmig gegen eine Beteiligung aus. Die Entscheidung kam für KirchMedia und Commerzbank überraschend. Der Beschluss der Geschäftsführer beruhe auf der Analyse der gegenwärtigen wirtschaftlichen Daten und Konstellation bei KirchMedia, hieß es bei der WAZ.
Einen Zeitpunkt für die endgültige Entscheidung der Gesellschafter gebe es derzeit nicht, sagte ein WAZ-Sprecher. Die vier Geschäftsführer der WAZ-Gruppe sind zu gleichen Teilen von den Mitgliedern der beiden Gründerfamilien Brost und Funke eingesetzt. Erich Schumann ist dabei zugleich Geschäftsführer und als Adoptivsohn von Jakob Funke Mitgesellschafter.
Bei dem Einstieg wäre es um ein Geschäft gegangen, das mit rund 1,9 Mrd. Euro den Gesamtwert eines Jahresumsatzes der WAZ-Gruppe umfasst. Der Konzern arbeitet mit prozentual zweistelligen Renditen. Während die Fernsehsparte der KirchMedia mit ProSiebenSAT.1 und der Filmrechtehandel als lukrativ eingestuft werden, sei der Sportrechtehandel mit Risiken behaftet, hieß es in der vergangenen Woche innerhalb der WAZ-Gruppe.
KirchMedia reagierte am Montagabend gelassen auf die Entscheidung der WAZ: "Wir gehen davon aus, dass die Entscheidung der WAZ-Gruppe keinen negativen Einfluss auf den konstruktiven Prozess der Gespräche mit potenziellen neuen Investoren hat", sagte ein KirchMedia-Sprecher in München.
Das Amtsgericht München hatte am Montag mitgeteilt, dass das Insolvenzverfahren über das Vermögen der KirchMedia eröffnet worden ist. Damit ist der Weg frei für einen Verkauf weiter Teile der früheren Kerngesellschaft des Kirch-Imperiums. Eine Vorentscheidung über die Zukunft des Unternehmens dürfte am 1. August auf einer Gläubigerversammlung fallen. (dpa) / (tol)