France Telecom findet Nachfolger für Michel Bon [Update]
Der Ingenieur und Unternehmer Thierry Breton soll neuer Chef des halbstaatlichen Telekommunikationskonzerns werden.
Thierry Breton wird neuer Chef von France Telecom. Dies berichteten unter anderem französische Zeitungen. Der derzeitige Chef des Elektronikkonzerns Thomson Multimedia soll an diesem Mittwoch vom Verwaltungsrat des französischen Telekommunikationsriesen auf seinen neuen Posten gewählt werden. Die französische Regierung dürfte der Ernennung noch am gleichen Tag zustimmen. Der Schritt ist notwendig, weil der französische Staat 55,4 Prozent an der France Telecom hält.
Thierry Breton löst Michel Bon ab, der am 12. September nach katastrophalen Halbjahreszahlen und dem Streit von France Telecom mit MobilCom in Deutschland zurückgetreten war. Der französische Telecomkonzern wies für das erste Halbjahr 2002 einen Rekord-Nettoverluste von 12,2 Milliarden Euro aus und ist darüber hinaus mit 70 Milliarden Euro hoch verschuldet. Neben Breton war auch Airbus-Chef Noel Forgeard für die Leitung im Gespräch gewesen. Breton hatte zunächst dementiert, Interesse an dem Posten zu haben.
Nach den Informationen von Les Echos wird Breton in den kommenden Wochen einen Refinanzierungsplan vorlegen. Angaben aus dem halbstaatlichen Telekommunikationsriesen sprechen von einem Programm, die Kosten innerhalb von drei Jahren um etwa sechs Milliarden Euro zu senken. Zusätzliche drastische Schritte zum Abbau des Schuldenberges wird Breton mit dem Finanzministerium und den Banken erörtern müssen. Im Vorfeld der Breton-Ernennung hatte die Aktie von France Telecom am Montag in Paris erneut um 12,04 Prozent auf 6,94 Euro nachgegeben.
Thierry Breton -- ein Mann für alle Fälle
Sein Name taucht in Frankreich stets auf, wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten steckt und einen Nachfolger sucht. Thierry Breton hat sich als Chef von Thomson Multimedia den Ruf eines erfolgreichen und seriös wirtschaftenden Managers erworben. Der 47-jährige Franzose mit dem Aussehen eines College-Studenten, der sich zur Not eine Krawatte umgebunden hat, gilt in der Branche als kreativ, flexibel und offen für ungewöhnliche Lösungen.
Als Breton bei einer der großen Eliteschulen nicht aufgenommen wurde, ging er Anfang der 80er Jahre in die USA, gründete dort sein eigenes Software-Unternehmen und schrieb den Thriller "Softwar", der sich 1,5 Millionen Mal verkaufte. 1986 wechselte der in Paris geborene Breton zurück nach Frankreich, um das Projekt des großen Zukunftsparks Futuroscope im Westen Frankreichs zu planen.
In der Elektronikbranche gelang ihm 1994 mit dem Wechsel zum Informatikkonzern Bull der Sprung in die Topmanager-Regime, dort war er die Nummer zwei. 1997 rückte der 47-Jährige bei Thomson Multimedia ganz an die Spitze und sanierte den Unterhaltungselektronik-Anbieter. Zuletzt überraschte das Unternehmen mit einem deutlichen Anstieg seines Nettogewinns im ersten Halbjahr 2002 um 10 Prozent auf 123 Millionen Euro bei 5 Milliarden Euro Umsatz. (dpa) / (anw)