Neuer Chef von France Telecom soll Schulden abbauen
Thierry Breton tritt die Nachfolge von Michel Bon an und soll den von 70 Milliarden Euro Schulden belasteten halbstaatlichen Konzern aus der Krise fĂĽhren.
Der französische Manager und Ingenieur Thierry Breton ist neuer Chef bei France Telecom (FT). Der Verwaltungsrat des Telekommunikationskonzerns stimmte am Mittwoch in Paris für den bisherigen Chef des Elektronikkonzerns Thomson Multimedia. Breton tritt die Nachfolge von Michel Bon an und soll den von 70 Milliarden Euro Schulden belasteten halbstaatlichen Konzern aus der Krise führen. Als Mitglied des FT-Verwaltungsrates wurde ferner der Direktor der staatlichen Finanzverwaltung, Jean-Pierre Jouyet, ernannt.
Breton soll in den nächsten zwei Monaten einen strategischen Plan zum Abbau des Schuldenberges von FT ausarbeiten, an der der Staat mit 55,4 Prozent beteiligt ist. Als erstes werde er eine interne Betriebsrevision in die Wege leiten, schreibt die Tageszeitung Le Figaro in ihrer heutigen Ausgabe. Drastische Schritte zum Abbau des Schuldenberges wird Breton mit dem Finanzministerium und den Banken erörtern müssen. Das dringendste Problem ist zunächst die Rückzahlung von 15 Milliarden Euro, die im kommenden Jahr fällig werden.
Breton muss neben den finanziellen auch soziale Probleme lösen. Aus Sorge um ihre Arbeitsplätze und einen Abbau ihrer Sozialleistungen hatten Gewerkschaften für Mittwoch und Donnerstag zu einem Streik aufgerufen. Die französische Regierung setzt auf den dynamischen Topmanager, der als Nummer zwei des Informatikkonzerns Bull und ab 1997 an der Spitze des Unterhaltungselektronik-Anbieters Thomson Multimedia aus den roten Zahlen herausführte.
Nach sieben Jahren war Michel Bon am 12. September wegen katastrophaler Halbjahreszahlen und dem teuren MobilCom-Abenteuer der France Telecom in Deutschland zurückgetreten. Das Unternehmen wies für das erste Halbjahr 2002 einen Rekord-Nettoverlust von 12,2 Milliarden Euro aus. Seit Jahresanfang hat die FT-Aktie mehr als 75 Prozent ihres Wertes verloren, wovon allein in Frankreich auch etwa 1,6 Millionen Kleinaktionäre betroffen sind.
Überlegungen über eine Kapitalerhöhung wurden vorerst zurückgestellt. Sinnvoll sei dies erst bei einem Anstieg der FT-Aktie auf etwa 30 Euro, schreibt Le Figaro. Nach Vermutungen der Medien hat Breton für sich selbst ein Jahresgehalt von zwei Millionen Euro ausgehandelt, was für eine solche Position als im Rahmen der Marktpreise, eingeschätzt wurde. (dpa) / (anw)