SECIII: Objekt Klasse, Attribut bayrisch
Die Schulen auf dem Weg zum "Education Service Provider" haben die Herausforderung angenommen, die von Projekten wie "Schulen ans Netz" nur unzureichend erfĂĽllt werden -- zumindest in der Theorie der Didaktiker.
Mit einer abschließenden Keynote zum Ethik-Code der Informatiker und der Präsentation der Ergebnisse vieler Arbeitsgruppen geht heute in Dortmund die SECIII zu Ende. Seit letztem Sonntag beschäftigen sich Informatiker und Fachleute für computerunterstütztes Lernen mit den vielfältigen Aspekten der informatorischen Theorie und Praxis.
Die Schulen auf dem Weg zum "Education Service Provider" haben der Theorie nach die Herausforderung angenommen, die von Projekten wie "Schulen ans Netz" nur unzureichend erfüllt werden: "Es ist absolut unerlässlich, ICT (Information & Communication Technology, Anm. d. Red.) in jedem Fach zur Geltung zu bringen, das an Schulen gelehrt wird. Es ist absolut nicht notwendig, dass der abstrakte Gebrauch der ICT gelehrt wird", postulierte Peter Hubwieser, Leiter des Fachgebietes Didaktik der Informatik an der Technischen Universität München in einem Ausblick auf die Zukunft made in Bayern. Dort wird im Jahre 2004 Informatik als zweistündiges Pflichtfach ab der 6. Jahrgangsstufe an Gymnasien installiert, eine Regelung, die 400 Schulen und rund 320.000 Schüler der 6. Klasse betrifft. Hubwieser führte aus, dass die Quintaner vor allem über die Einführung in die objektorientierte Programmierung die Chance bekommen sollen, die Methodik der Informatik zu verstehen. So werde als Erstes ein Brief in seine Objektstruktur zerlegt, werde am Ausdrucken in Hoch- und Querformat demonstriert, wie Word 97, Word XP und StarOffice unterschiedlich vorgehen. "Cut & Paste, mit der Maus auf einen Link klinken, das ist unerheblich, das können die Kinder in diesem Alter bereits. Aber die Datenstrukturen in einem Hypertext-Dokument verstehen lernen, da brauchen sie Anleitung."
Über die möglichen Formen des computerunterstützten Unterrichtes wurden in Dortmund sechs Tage lang Referate präsentiert und Workshops abgehalten. Auf Deutschland bezogene Themen bildeten die Mehrheit, nicht nur bei den Überlegungen zur Objektorientierung. Von der schulgerechten Adaption einer Software wie StarOffice4Kids bis zu Präsentationen der einzelnen Bundesländer in so genannten "German Days" und diversen Unternehmen auf dem "Tag der Wirtschaft" standen deutsche Aspekte im Vordergrund und auch in der Kritik.
So bemängelten Praktiker das zur Eröffnung des Kongresses vorgetragene Selbstlob der Bundesregierung, durch das Projekt "Neue Medien in der Bildung" mit einer halben Milliarde Euro neue Wege im computerunterstützten Unterricht zu finden. "Wenn man einen Blick auf die laufenden Projekte wirft, die mit diesem Programm unterstützt werden, dann fragt man sich doch, wem dies nutzt. Brauchen wir in den Schulen einen 'Medienbaukasten für den Kunstunterricht', über den man schwafelt: 'Der besondere Mehrwert des Einsatzes ergibt sich mediendidaktisch aus der digitalen Speicherung und der daraus resultierenden Möglichkeit medienintegrativer Arbeit und unterrichtsmethodisch aus der Interaktivität und Multidimensionalität.' Oder sind das nicht alles einfach nur probate Wege, mit denen etablierte Schulbuchverlage ihre ohnehin vorhandenen Inhalte noch einmal eintüten, um Projektgelder zu kassieren?" So formulierte ein Lehrer seine Kritik, der an einer Schule für die Anschaffung unterrichtsgeeigneter Software zuständig ist. "Ich denke, dass für den Schulbereich keine Medien mit öffentlichen Mitteln gefördert werden müssen. Es gibt ohnehin schon zu viel -- das können die Schulen gar nicht alles kaufen, das staubt alles in den Medienräumen vor sich hin."
Auf der nächsten SECIII-Konferenz werden deutsche Themen kaum die tragende Rolle spielen. Sie findet 2003 in Australien statt. (Detlef Borchers) / (jk)