DeNIC streitet um "Lex Strato"
Es geht um 1.4 Millionen .de-Domains, da hört die Freundschaft auch unter den Mitgliedern der Genossenschaft auf, die die Registrierungsstelle für .de-Domains betreibt.
Es geht um 1.4 Millionen .de-Domains, da hört die Freundschaft auch unter den Mitgliedern der DeNIC-Genossenschaft auf, die die Registrierungsstelle für .de-Domains betreibt. Weil die Strato-Holding-Gesellschaft Teles eCommerce Track AG (TECT) die über die insolvente KPNQwest registrierten Domains ohne die übliche Provider-Umzugsgebühr -- die so genannte kk-Gebühr -- "übernehmen" wollte, liefen einige Mitglieder der Genossenschaft beim Aufsichtsrat Sturm. Bei einem Großteil der Domains handelte es sich um Strato-Domains. Weil der Massenhoster aber nicht selbst DeNIC-Mitglied ist, hatte er sich in der Vergangenheit seines Technik-Partners KPNQwests bedient und wollte jetzt die Domains zu TECT umziehen.
Bei einer außerordentlichen Generalversammlung am Montag stimmt nun eine Mehrheit der anwesenden DeNIC-Mitglieder für eine Empfehlung, dass kk-Gebühren in jedem Fall zu bezahlen sind. Jetzt steht der Aufsichtsrat der .de-Registrierstelle vor der Frage, ob er den Deal rückgängig machen kann und will. "Jeder muss die üblichen kk-Gebühren bezahlen, das ist jetzt klargestellt", sagt Maximilian Hoyer vom Berliner Online-Marketing-Anbieter Online Now. Auf Hoyers Antrag hin hatten sich die Genossen Anfang der Woche zum Schlagabtausch getroffen. Dass die Mitglieder erst so spät über den Deal informiert wurden, habe viele ziemlich verärgert, sagt Georg von Zezschwitz, Vertreter für zwei Hamburger Provider. Immerhin müsse man der DeNIC-Spitze zu Gute halten, dass sie vor einem Dilemma stand, entweder 1,4 Millionen Domain-Inhaber im Rahmen eines so genannten Transitverfahrens anzuschreiben oder aber einen Deal mit Strato abzuschließen.
"Man kann ja über alles reden", sagt Michael Frenzel, Pressesprecher beim großen Strato-Konkurrenten Schlund + Partner. "Auch darüber, dass ein Mitglied die Domains eines insolventen Mitglieds übernimmt, aber warum denn kostenfrei?" Die geschätzt 3 Millionen Euro, die TECT einsparen will, würden nämlich andernfalls in die DeNIC-Kasse fließen. "Es ist doch nicht einzusehen, dass ein einziges Mitglied auf Kosten aller anderen profitiert", kommentiert Frenzel den seiner Meinung nach "ungewöhnlichen Vorgang".
DeNIC-Chefin Sabine Dolderer sieht das ganz anders und beruft sich auf einen Aufsichtsratsbeschluss vom vergangenen November. Dieser besage, dass im Falle des Ausscheiden eines DeNIC-Mitglieds aus der Genossenschaft die von ihm verlassenen Domains kostenfrei -- also ohne kk-Gebühr -- von anderen Mitgliedern übernommen werden können. 26 Mal, so Dolderer, habe man diesen Beschluss bereits angewandt, vor allem im Falle von Fusionen zwischen verschiedenen Mitgliedsunternehmen. "Wir wollten damit eine gewisse Kontinuität für die Kunden sichern." Im August wurde die "Sonderregelung" mit Blick auf die KPNQwest-Insolvenz dann noch dahingehend präzisiert, dass sie nur von einem Provider in Anspruch genommen werden kann, der alle Domains en bloc übernimmt. Und genau darauf verständigten sich DeNIC, Insolvenzverwalter und TECT.
Jetzt werden Dolderer und ihre Aufsichtsratskollegen prüfen, wie sie mit der Empfehlung der Mitglieder umgehen sollen, die kk-Gebühren nachträglich in Rechnung zu stellen. Bei Teles wollte man die weiteren Schritte, etwa eine mögliche Klage im Fall einer Kehrtwende der DeNIC, nicht kommentieren. "Wenn sich der Aufsichtsrat gegen das Mitgliedervotum entscheidet, sollten auf jeden Fall die Genossen noch einmal gehört werden", fordert auf der anderen Seite Frenzel. Zwischen 100.000 und 200.000 der jetzt umstrittenen Domains gehören übrigens nicht zum Strato-Kundenstamm -- zumindest sie sollten demnächst mit Post aus dem Hause TECT rechnen dürfen. Sie können dann jederzeit und hoffentlich problemlos zu einem Provider ihrer Wahl wechseln, sofern er die kk-Gebühren entrichtet. (Monika Ermert) / (jk)