Erster Studiengang "Manager fĂĽr neue Medien"
Die Lübecker International School of New Media will bietet ab dem 7. Oktober einen interdisziplinären Studiengang für künftige Manager der neuen Medien an.
Eine Modedesignerin, ein Jurist, ein Toningenieur, eine Betriebswirtin und ein Journalist in einem Studiengang -- wo gibt es denn so was? An der International School of New Media (ISNM) in Lübeck wird das vom 7. Oktober an Wirklichkeit sein. An diesem Tag beginnen die Vorlesungen im ersten interdisziplinären Master-Studiengang für die digitalen Medien. Zur offiziellen Eröffnung am 11. Oktober haben sich Branchengrößen wie Michael Docherty von der Universität Queensland in Australien angesagt.
In dem auf 18 Monate angelegten Vollzeitstudium, das komplett in Englisch absolviert wird, sollen hier Akademiker der verschiedensten Fachrichtungen für Führungspositionen in allen Bereichen der neuen digitalen Medien qualifiziert werden. Dahinter steht die Idee, den Internetboom der vergangenen Jahre auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen, die Elemente der Kommunikationswissenschaft, der Ökonomie, des Rechts, der Kulturwissenschaften und der Medienkunst umfasst. "Die Internet-Industrie ist in den vergangenen fünf Jahren nicht an mangelnden Märkten, sondern an schierer Unbildung gescheitert", sagt der wissenschaftliche Direktor und Mitbegründer der ISNM, Hubertus von Amelunxen.
Deshalb gehören neben Fächern wie Medientechnologie und Interaktivem Design auch die Komplexe Informationsarchitektur sowie Medien und Gesellschaft zum Lehrplan des Lübecker Studienganges "Master of Digital Media". Doch ein wichtiger Faktor im Lehrplan sind die Studenten selbst. Sie sollen ihre Erfahrungen aus ihrem jeweiligen Fachgebiet und ihre Vorstellungen von ihrer künftigen Arbeit in Projekten einbringen und für alle nutzbar machen. "Im ersten Semester wird es zum Beispiel ein Projekt mit den Vereinten Nationen (UN) geben. Den Kontakt hat ein Student vermittelt, der für die UN Radiostationen im Kongo aufgebaut hat", erklärt von Amelunxen.
Eine internationale und multidisziplinäre Studentenschaft ist also Voraussetzung für den Erfolg des Studienganges. Diese Mischung ist für das Startsemester gut gelungen. Die 13 Studierenden im Alter zwischen 22 und 36 Jahren kommen aus Deutschland, Kanada, den USA, China, Indien und Pakistan. Darunter ist zum Beispiel ein Germanist aus China. Ursprünglich habe der vorgehabt, am renommierten Massachusetts Institut of Technology (MIT)in Boston in den USA zu studieren, sagt von Amelunxen. "Er hat sich dann aber für Lübeck entschieden, weil hier nach seinen Worten die Verzahnung zwischen Wissenschaft und Praxis stärker sei." Dabei sollen auch die klassischen Medien nicht zu kurz kommen. In der Bibliothek der ISNM können die Studenten auf rund 20 000 Bücher und Zeitschriften zurückgreifen.
Die ISNM ist eine private, von der Wirtschaft getragene, Hochschule, für deren Besuch die Studierenden kräftig in die Tasche greifen müssen. 2560 Euro Aufnahmegebühr und 615 Euro pro Monat zahlen Vollzeitstudenten. Stipendien sind aber möglich und zwei Lübecker Banken bieten Bildungskredite zu günstigen Konditionen an. Der ebenfalls geplante Teilzeitstudiengang ist mangels Nachfrage vorerst aus Eis gelegt. Angesichts der flauen Konjunktur hätten die Unternehmen zur Zeit offenbar wenig Interesse, für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu zahlen, stellt der kaufmännische Direktor der Schule, Hans-Georg Braun, fest. (Eva Maria Mester,dpa) / (tig)