Russlands Regierung sagt Raubkopierern den Kampf an
Kioske, die illegale Filmkopien vertreiben, sollen geschlossen werden.
Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat sich das Kabinett der russischen Regierung auf seiner heutigen Sitzung mit dem Problem des ungebremsten Raubkopierens im Land befasst. Man wolle einen "Komplex von Maßnahmen" zum Schutz des geistigen Eigentums ergreifen, sagte Russlands Premierminister Michail Kassjanow im Anschluss an die Sitzung. "In den vergangenen Jahren wurde zu wenig getan", räumte der Regierungschef mit Blick auf die Schlusslichtposition seines Landes beim Urheberschutz ein. Angaben des russischen Innenministeriums (MWD) zu Folge belegt Russland bei den Raubkopien den zweiten Platz nach China, neun von zehn meist an Marktständen verkauften Videofilmen seien illegaler Herkunft. Die oft miserable Qualität des oftmals von der Kinoleinwand abgefilmten Materials stört die Käufer angesichts der Niedrigpreise kaum. Es sei "ein Zeichen für die Dschungelhaftigkeit des Landes", wenn mehr als die Hälfte der Produktion unter Verletzung von Urheberrechten zu Stande komme, sagte Kassjanow.
Konsequent will die Regierung nun gegen die zahlreichen Kioske vorgehen, die Raubkopien anbieten. Sie müssten allesamt geschlossen werden, beschloss die Regierung. Weitere Maßnahmen und Gesetze soll eine eigens berufene Regierungskommission erarbeiten. Die äußerst lückenhafte Rechtslage für den Schutz geistigen Eigentums hat bislang der Aufnahme Russlands in die Welthandelsorganisation (WHO) entgegengestanden. Auch vielen internationalen Abkommen zur Anerkennung von Urheberrechten wie etwa den WIPO-Verträgen ist Russland bislang nicht beigetreten. (tig)