Britische Armee trainiert Kampfeinsätze mit PC-Spiel

Ähnlich wie die US-Militärs, die beispielsweise Rogue Spear einsetzen, trainiert die britische Armee mit einer modifizierten Version von Half-Life.

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Von
  • David Adamczewski

3D-Shooter sind nicht nur schon immer ein Verkaufsgarant gewesen, sondern werden zunehmend auch von Militärs als Vorbereitung auf ernsthafte Einsätze genutzt. Nach der US Army, die erst vor kurzem den Mehrspieler-fähigen Actiontitel America's Army angekündigt hat und mit einigen von Novalogic und Ubi Soft entwickelten Simulationen bereits den Ernstfall trainiert, setzt auch die British Army eine bekannte Spiele-Engine zum Üben von Kampfsituationen ein, berichtet die BBC.

Die auf der Half-Life-Engine (HL) basierende Kampfsimulation hat jedoch mit dem Originalspiel von Valve Software, das hierzulande in der US-Fassung indiziert wurde, nicht mehr viel gemeinsam. Die Spielumgebungen scheinen echten Einsatzsituationen wie dem Häuserkampf oder Geiselbefreiung nachempfunden zu sein. Das Verteidigungsministerium will somit von den Soldaten bereits im Training geübte Situationen offenbar schnell auffrischen oder die Soldaten auf kommende Einsätze vorbereiten. Major Bruce Pennell vom Logictics Corps der britischen Armee schätzt außerdem den Vorteil, dass virtuell getötete Soldaten wieder aufstehen.

Dass die Soldaten das Spiel sehr ernst nehmen, kann Pennell bestätigen. "Es hat sich bereits herausgestellt, dass diese Jungs in ihrem Handeln sehr engagiert sind. Die Übung ist daher mehr nur als ein Spiel, das man mit einer Tastatur und Maus steuert", fügt Pennell hinzu. Anders als im durchschnittlichen Computerspiel wird den Teilnehmern nach einem Treffer nicht nur Energie abgezogen sondern sie sind sofort tot. Damit wolle man einen echten Einsatz simulieren, denn dort würden sie für einen Fehler auch sofort bestraft, sagt Chris Morris, der bei QinetiQ die modifizierte HL-Version mitentwickelt hat.

Sowohl für Vivendi-Sprecher Leo Jackstädt als auch GameStar-Chefredakteur Jörg Langer kommt die Entscheidung der British Army wenig überraschend. Wie Jackstädt gegenüber heise online erklärte, habe es sogar bereits vereinzelte Anfragen von Polizisten gegeben, die SWAT 3 aufgrund seines Realismus unbedingt kaufen wollten. Auch Langer gab sich wegen der gängigen Praxis bei der US Army, Kampfeinsätze mit Hilfe von PC-Spielen vorher zu trainieren, kaum überrascht. Die Entscheidung, einen Shooter wie America's Army speziell als Werbemedium für neue Rekruten kostenlos im Netz zu verbreiten, hält er jedoch für bedenklich.

Siehe dazu auch in Telepolis: (daa)

  • Das Militär und die Computerspiele -- Britische Soldaten ĂĽben mit einer realistisch modifizierten Version des Computerspiels Half-Life, Grundlage fĂĽr Counterstrike, also doch "Software fĂĽrs Massaker"?