E-Business für Obdachlose
Weil die Kommunalbehörden in San Francisco offenbar mit der Überwachung ihrer Kosten überfordert sind, sollen sich Obdachlose ab sofort übers Netzwerk für Übernachtungen im Asyl anmelden.
"Weil die Kommunalbehörden in San Francisco offenbar mit der Überwachung ihrer Kosten überfordert sind, sollen sich Obdachlose ab sofort übers Netzwerk für Übernachtungen im Asyl anmelden. Die Stadt hat zu diesem Zweck fünf Stationen mit öffentlichen Terminals eingerichtet, an denen Bedürftige unter Nennung ihrer Sozialversicherungsnummer in zwei der insgesamt elf städtischen Obdachlosen-Unterkünften ein Bett reservieren können.
Als offizielle Begründung für das unter dem Namen Prop. E etablierte Verwaltungsprojekt führten die Initiatoren an, dass die Schätzungen, wie viele Nutznießer jährlich Gebrauch von den verfügbaren Asylbetten machen, zwischen 8000 und 15.000 schwanken, und dass die Angaben über die jährlichen Aufwendungen für sozial Bedürftige wohl irgendwo zwischen zehn und 200 Millionen US-Dollar liegen müssten. Das neue System soll jetzt genauere Information herbei schaffen.
Allerdings gibt es auch andere Interpretationen: So soll nach Meinung von Fürsprechern der Obdachlosen der wichtigste Effekt in der Ausgrenzung illegaler Einwanderer liegen, die mit dem neuen System kein Bein an den Boden bekommen. Das amerikanische Netzwerk der Obdachlosen geht mit seiner Deutung noch weiter: Mit dem Hinweis, dass die neue Software nicht ohne Grund vom örtlichen Hotelverband finanziert wurde, vertritt die Organisation die These, das ganze Unterfangen verfolge nur die Gentrification der Innenstadt von San Francisco -- laut Wörterbuch steht dieser Ausdruck für "Aufwertung", etwa durch "Zuzug von Sozial besser Gestellten", in diesem Kontext wohl aber auch für die Vertreibung unerwünschter Gestalten aus den präsentablen Bezirken der Stadt. (hps)