AOL Time Warner schlägt Viacom bei Viva-Übernahmeschlacht
Der US-Mediengigant greift erfolgreich nach dem deutschen Fernseh-Markt.
Den Poker um den Musiksender Viva hat der US-Medienkonzern AOL Time Warner nach einer monatelangen Übernahmeschlacht gegen den Kontrahenten Viacom für sich entschieden. Zum Viacom-Konzern gehört Viva-Konkurrent MTV. "Die Transaktion ist Teil unserer internationalen Strategie und wir sind zuversichtlich, unsere Beziehung mit Viva Media zu erweitern", sagte AOL Time Warner-Sprecherin Julie Mason am Freitag in den USA. AOL Time Warner übernimmt das 15,3-prozentige Viva-Anteilspaket von der EMI-Gruppe mit einem Volumen von mehr als 52 Millionen Euro. "Ich sehe der Zukunft von Viva rosig entgegen", sagte der Viva-Vorstandschef Dieter Gorny am Freitag in Köln in einer ersten Stellungnahme.
Viacom hat nach eigenen Angaben die Verhandlungen um eine Übernahme des börsennotierten deutschen Musikkanals eingestellt. AOL Time Warner strebt nach Medienberichten außerdem an, die Viva- Beteiligung von Vivendi Universal zu kaufen. AOL werde dann 45,9 Prozent an der Viva Media halten und strebe danach die Mehrheitsübernahme an.
"Das ist eine Entscheidung, die die Viva-Strategie, international zu expandieren, massiv stützt", sagte Gorny. Er denke, dass Viva nun weiter ausgebaut werde. "Ich glaube, AOL wird Viva nutzen, um das Thema Musikfernsehen weiter voran zu bringen", sagte der Viva-Chef. Er hatte zuvor mehrfach betont, Viva brauche einen starken Partner, um international weiter erfolgreich zu sein. AOL habe eine Entscheidung getroffen, "die für unser Unternehmen wesentlich ist -- und sie ist auch ein großes Kompliment für uns", sagte Gorny.
"Unsere Investitionskriterien und strategischen Ziele konnten nicht erfüllt werden", sagte der in London ansässige MTV-Europachef Brent Hansen. Nach seinen Angaben hätte MTV alles daran gesetzt, die Marke Viva langfristig zu erhalten und beide Musiksender parallel weiter zu entwickeln.
Der Süddeutschen Zeitung zufolge hat AOL Time Warner bereits Gespräche mit dem Bundeskartellamt geführt. Außerdem wolle der US- Konzern seine TV-Geschäfte in Deutschland ausbauen und sei auch am Erwerb der insolventen Kirch Media interessiert. Viva-Vorstandschef Gorny hatte zuvor bereits darüber spekuliert, beide Konzerne könnten ein über Viva hinaus gehendes Interesse am deutschen Fernsehmarkt haben. Er nannte in diesem Zusammenhang die Umwälzungen in der Medienlandschaft bedingt durch die Kirch-Krise.
Hansen hatte nach eigenen Worten Gespräche mit mehreren Viva-Anteilseignern geführt, zu denen unter anderem AOL Time Warner, Vivendi Universal und die EMI-Gruppe gehören. In der Branche wurde ein Übernahmepreis von 17 Euro pro Aktie angegeben. Am Freitagmorgen lag der Kurs der Viva-Aktie bei knapp über 13 Euro. Langfristige Prognosen von Analysten schätzen nach MTV-Angaben die Viva-Aktie bei rund elf bis 13 Euro ein.
Viva-Hauptanteilseigner waren bislang mit jeweils 15,3 Prozent AOL Time Warner, Vivendi Universal und die EMI-Gruppe. Weitere 18,2 Prozent gehören Gründungsmitgliedern des Senders. Im vergangenen Jahr übernahm Viva das Unternehmen Brainpool, dessen Vorstände 11,1 Prozent der Anteile halten. Gorny ist im Besitz von 0,6 Prozent der Aktien, weitere 24,2 Prozent befinden sich in Streubesitz.
Der Direktor der Landesanstalt für Rundfunk in NRW, Norbert Schneider, sagte im Zusammenhang mit den Entwicklungen: "Wir erwarten eine Anzeige über die neue Gesellschafterstruktur und prüfen, ob dies auch durch die alte Lizenz gedeckt ist." Er würde eine solche Anzeige als eine wichtige Entwicklung für Viva bewerten -- und zwar "vom local hero zum global player".
Viva erzielte mit rund 700 Beschäftigten im ersten Quartal 2002 -- unter anderem nach dem Verkauf einer Beteiligung an AOL Time Warner -- einen Gewinn von knapp 18,1 Millionen Euro und kehrte damit in die schwarzen Zahlen zurück. Im vergangenen Geschäftsjahr belief sich der Umsatz von Viva auf knapp 60,1 Millionen Euro (Vorjahr fast 55,1 Millionen Euro). Für 2001 wies die Bilanz einen Jahresfehlbetrag von knapp 9,7 Millionen Euro aus. (dpa) / (tol)