Für France Telecom türmen sich die Probleme nicht nur in Deutschland

France Telecom-Chef Michel Bon kann nur kurz verschnaufen.

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Von
  • Birthe Blechschmidt
  • dpa

France Telecom-Chef Michel Bon kann nur kurz verschnaufen. Den Machtkampf gegen MobilCom-Gründer Gerhard Schmid hat der 58-jährige Franzose vorerst für sich entschieden. Doch schon ist an den Märkten von einem Pyrrhus-Sieg die Rede, weil eine Übernahme des Büdelsdorfer Mobilfunkanbieters nochmals weitere Milliarden-Belastungen bringen könnte. Für France Telecom türmen sich die Probleme nicht nur in Deutschland. Der auf mehr als 60 Milliarden Euro angehäufte Schuldenberg gefährde die Kreditwürdigkeit des Telekomgiganten, mit weiteren negativen Folgen für die Märkte. "France Telecom, Vodafone oder die Deutsche Telekom, alle sitzen im gleichen Leck geschlagenen Boot", hieß aus der Kreditbranche.

Nach dem schlimmsten Kursverfall in der Unternehmensgeschichte ist France Telecom mit einem Jahresumsatz von 43 Milliarden Euro an der Börse heute nur noch 15 Milliarden Euro wert. In der Boomphase der Telekom-Märkte im März 2000 waren es stolze 220 Milliarden Euro. Allein in der vergangenen "schwarzen Woche" für die Telekom-Aktien sackte das Papier um fast 22 Prozent auf einen Tiefstand von 12,41 Euro ab, nicht einmal mehr die Hälfte des Preises beim Börsengang 1997 von 27,75 Euro und meilenweit entfernt vom Höchststand vor zwei Jahren von 220 Euro, zur bitteren Enttäuschung der noch 1,6 Millionen Kleinanleger.

In dem Strudel des Vertrauensverlusts bei Aktionären, Analysten, Investoren drohen auch Michel Bon Beschädigungen. Die monatelangen Streitereien mit MobilCom-Chef Schmid haben Spuren hinterlassen. Der sonst beherrschte und kühle Manager ist dünnhäutiger geworden, reagiert mit ungewohnter Bissigkeit auf die Angriffe. Den teuren Kauf der Minderheitsbeteiligung von 28,5 Prozent an MobilCom und der gemeinsame Erwerb für mehr als 8 Milliarden Euro der UMTS-Lizenzen dürfte Bon mehr als einmal bereut haben.

Bon erlag wie andere Vorstandschefs der Branche dem Wahn der Telekom-Boomjahre. Bevor er zu France Telecom wechselte, hatte er in klassisch französischer Manier die Karriereleiter über Eliteuniversität und Staatsdienst erklommen und beim Handelsriesen Carrefour den Chefposten übernommen. Nach dem Börsengang von France Telecom ging Bon quer durch Europa auf Einkaufstour und schreckte vor Höchstpreisen nicht zurück, um nach der Marktliberalisierung France Telecom einen Spitzenplatz zu sichern. Mehr als 40 Milliarden Euro kostete allein die Übernahme des Mobilfunkanbieters Orange.

Damals versprach der Vorstandschef, den angehäuften Schuldenberg bis 2002 durch Verkäufe von nichtstrategischen Beteiligungen und Immobilien um rund die Hälfte abzubauen. Doch heute ist der Schuldenberg fast unverändert. Nun sollen schnellstens Verkäufe weiterer Beteiligungen, wie an dem italienischen Telekom-Betreiber Wind, 11 Milliarden Euro in die Kasse bringen. Doch das Umfeld für Verkäufe ist denkbar schlecht. Zudem sind weitere Tranchen im Zusammenhang mit dem Orange-Erwerb fällig, von den noch nicht abzusehenden Belastungen durch MobilCom ganz zu schweigen.

Trotz eines Rekordverlusts von 8,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, der durch hohen Abschreibungen auf die teuren Übernahmen entstand, gibt der Staat als Mehrheitseigner von France Telecom dem Vorstandschef weiter Rückendeckung. Der neue Wirtschafts- und Finanzminister Francis Mer sprach Bon sein volles Vertrauen aus. Doch auch die Geduld des Staats ist nicht unbegrenzt. Die Nerven aller Beteiligten liegen blank. (Birthe Blechschmidt, dpa) / (tol)