Nach MobilCom-Entscheidung Erleichterung in BĂĽdelsdorf

Angesichts der zunächst gesicherten Finanzierung und der damit gebannten unmittelbaren Insolvenzgefahr kamen viele Mitarbeiter von MobilCom wieder zuversichtlicher zur Arbeit.

vorlesen Druckansicht 9 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Wolfgang Schmidt
  • dpa

Nach den jüngsten Entscheidungen über die MobilCom AG hat es am Firmenstandort Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) bei Mitarbeitern und in der Stadt ein erstes Aufatmen gegeben. Angesichts der zunächst gesicherten Finanzierung und der damit gebannten unmittelbaren Insolvenzgefahr kamen viele Mitarbeiter des Telefonunternehmens am Montag wieder zuversichtlicher zur Arbeit. "Ein bisschen Erleichterung darüber, dass der erste Schritt genommen wurden", beobachtete Firmensprecher Matthias Quaritsch.

Der Aufsichtsrat hatte am Freitag MobilCom-Chef Gerhard Schmid abberufen und den bisherigen Finanzvorstand Thorsten Grenz zum Nachfolger ernannt. Zugleich war im Zusammenhang mit Fortschritten bei der Refinanzierung der Verbindlichkeiten von positiven Zeichen für die Zukunft des Unternehmens die Rede, nachdem Großaktionär France Telecom im Konflikt mit Schmid bereits mit der Insolvenz von MobilCom gedroht hatte.

"Wir sehen die Situation nun ein Stück entspannter", sagte Bürgermeister Jürgen Hein (parteilos) am Montag der dpa. "Ich habe jetzt die große Hoffnung, dass es weitergehen wird, wenn auch wohl mit Einschränkungen." Er denke, dass der Hauptteil der 2000 Arbeitsplätze in der Stadt auf mittlere Sicht erhalten bleibe, sagte Hein. Unter Umständen müsse aber insgesamt mit dem Verlust von Arbeitsplätzen in "Randbereichen" gerechnet werden. MobilCom sei ein wichtiger Imageträger für die Stadt, sagte der Bürgermeister und habe entscheidend zur dynamischen Entwicklung des 11.000-Einwohner-Ortes beigetragen. "Wir sind aber noch nicht ganz sorgenfrei, weil wir nicht genau wissen, was passiert."

Das Aus für Firmengründer Schmid war am Montag vor allem bei den älteren Mitarbeitern Gesprächsthema, die gemeinsam mit dem langjährigen Chef den Aufstieg des Telefonunternehmens aus der schleswig-holsteinischen Provinz miterlebt hatten. Die Hälfte der insgesamt 5400 Beschäftigten sei aber erst in den vergangenen ein, zwei Jahren gekommen, sagte Firmensprecher Quaritsch.

Auch der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) begrüßte die Klärung: "Damit ist die Ungewissheit endlich beendet." Nach der "allzu langen und schädlichen" Auseinandersetzung zwischen Schmid und France Telecom könnten das Unternehmen und die Mitarbeiter wieder nach vorn blicken.

Für eine Gesamtregelung des MobilCom-Problems sind noch mehrere Fragen offen. Dazu gehört die Übernahme des Aktienpakets von Schmid und seiner Frau, die zusammen knapp die Hälfte des MobilCom-Kapitals kontrollieren. Hier werden mit Blick auf den Kaufpreis noch harte Verhandlungen mit France Telecom erwartet. Außerdem ist unter anderem offen, welche Auswirkungen eine Übernahme der Schmid-Anteile durch France Telecom auf die Zahl der Arbeitsplätze bei MobilCom hätte.

Zur Entwicklung bei MobilCom siehe auch:

(Wolfgang Schmidt, dpa) / (jk)