600 Tonnen fĂĽr den Physik-Nobelpreis [Update]
Das schwedische Karolinska Institutet gab heute traditionsgemäß die Preisträger des Nobelpreises 2002 für Physik bekannt.
Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften gab heute traditionsgemäß die Preisträger des Nobelpreises 2002 für Physik bekannt. Die Ehre fiel auf die beiden amerikanischen Astrophysiker Raymond Davis, jr. und Riccardo Giacconi sowie ihren japanischen Kollegen Masatoshi Koshiba. Ebenfalls entsprechend der Tradition soll die Preisverleihung in Stockholm am 10. Dezember stattfinden, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Dennoch sollen die Laureaten ihre Nobel Lectures bereits zwei Tage vorher halten, also am 8. Dezember.
Giacconis Verdienste, die ihm die Hälfte des zugehörigen Preisgelds von 1,1 Millionen Euro eintrugen, liegen in der Analyse von Röntgenstrahlungsquellen im Weltraum, die sich wegen der Absorptionseigenschaften der Erdatmosphäre nur per Röntgen-Teleskop in einer Erdumlaufbahn untersuchen ließen.
Davis und Koshiba, die sich die andere Hälfte des Preisgelds teilen, wurden für ihre voneinander unabhängigen Nachweise kosmischer Neutrinos geehrt. Diese Elementarteilchen gehen so gut wie keine Wechselwirkungen mit anderer Materie ein und durchdrungen unseren Planeten zur ganz überwiegenden Mehrheit völlig unbehelligt und unbemerkt. Um den Nachweis dieser Teilchen zu führen, bedienten sich beide Preisträger großer Mengen von Flüssigkeiten, deren Moleküle jedesmal, wenn sie dann doch einmal mit einem Neutrino kollidieren, einen Nachweis ermöglichen. So gelang es Davis, binnen 30 Jahren in einem gut geschützt unter der Erde aufbewahrten Tank mit 600 Tonnen Tetrachlorethen, welches pro Neutrino-Einschlag ein Argon-Atom freisetzt, sage und schreibe rund 2.000 solcher Ereignisse aufzuzeichnen, die auf von der Sonne ausgehende Neutrinos zurückzuführen sind.
Mit einer ähnlichen Messanordnung konnte Koshiba 1987 einen Neutrino-Schauer nachweisen, der seinen Ursprung in einer Supernova-Explosion hatte. Beide Versuchsergebnisse gelten als wichtige Hinweise dafür, dass im Weltraum Kernfusionsprozesse stattfinden, die als Verursacher der Neutrinostrahlung gehandelt werden. Ausführlichere Beschreibungen der Forschungsarbeiten finden sich auf den Web-Seiten zum Physik-Nobelpreis. (hps)