Neue Medien bei der FAZ auf dem PrĂĽfstand

Einige Verlage scheinen bei der Verzahnung von Online- und Printausgabe zurĂĽckzurudern.

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Von
  • Monika Ermert

Das Verlagshaus der Franfurter Allgemeinen Zeitung bereitet eine Restrukturierung seiner Aktivitäten bei den neuen Medien vor. Das sagte der Chefredakteur der Verlagstochter F.A.Z. Electronic Media GmbH, Frank Gaube, bei der 5. German Online Research Conference (GOR) in Hohenheim. "Wir stehen auf dem Prüfstand", sagte Gaube. Wie bei vielen anderen Verlagshäusern werde eine stärkere Konzentration aufs Kerngeschäft diskutiert. Wie die künftigen Online-Aktivitäten des konservativen Traditionsverlags aussehen werden, bezeichnete Gaube als "ergebnisoffen". Die Frage nach der Zukunft von "Cross-Media-Konzepten" war neben Online-Marktforschung, Internet und Globalisierung und der Qualitätssicherung in der Online-Forschung Schwerpunktthema der GOR.

Mit einer derzeit 37-köpfigen Online-Redaktion, rund 100 Journalisten für die Radioaktivitäten wie das FAZ Business Radio und wechselnden TV-Teams hat die FAZ nach einem späten Einstieg ins Netz geklotzt, nicht gekleckert. Das Nebeneinander der teilweise passwortgeschützten Homepage der Printausgabe faz.de, der englischen Ausgabe faz.com und der genuinen Internet-Ausgabe faz.net wird allerdings nun offensichtlich überdacht. Auf jeden Fall würde der passwortgeschützte Bereich für die eigenen Abonnenten weiter im Zentrum des Angebots stehen, hieß es. Möglich ist aber wohl eine Konzentration des Angebotes auf einen einheitlichen Auftritt. Welche Rolle dann die mehrmals täglich aktualisierte Netzvariante und die nur wöchentlich aktualisierte englische Ausgabe spielen werden, ist noch offen.

Medienwissenschaftler wie Christoph Neuberger stellten in Hohenheim ein gewisses Zurückrudern der Verlage bei der Verzahnung von Online- und Printausgabe fest. Zwar stellen inzwischen -- anders als die FAZ -- zahlreiche Häuser regelrechte Internet-Printklone zusätzlich zu Online-Nachrichten zur Verfügung, Querverweise in den Mutterblättern auf den "Mehrwert" im Web haben aber die FAZ wie auch die Welt still und leise wieder eingestellt. Ob die Cross-Media-Euphorie ein Erfolgskonzept für die Verlage wird oder als Nullsummenspiel endet, in dem Onlinekunden nur Printabwanderer sind, müsse sich erst noch zeigen, sagte Neuberger.

Sein Kollege Andreas Vogel vom Wissenschaftlichen Institut für Presseforschung und Medienberatung warnte gar vor dem "technizistischen Traum vom Cross-Media." Die Umzingelung der Werbekunden, woher die Crossmedia-Idee eigentlich rühre, widerspreche aber den eigentlichen Erwartungen der Leser. Diese seien dann zu zahlen bereit, wenn sie eine Information nicht woanders besser oder billiger bekommen könnten, warnte Vogel. Und Interaktivität, der große Vorteil des Netzes, und Cross-Media schlössen sich geradezu aus.

Rundfunkvertreter beurteilten ihr Cross-Media-Engagement dagegen durchweg positiv. Inzwischen lernten mehr Neulinge die "Marke" n-tv zuerst im Web kennen, sagte Kai-Marcus Thäsler von dem privaten Nachrichtensender. Auch Frank Gaube sieht sich bei der Entwicklung endgeräterunabhängiger Produktion von Inhalten durchaus auf dem richtigen Weg. Positiv beurteilt er auch die Rolle bei der Ansprache potenzieller, neuer Kundenkreise. Faz.net habe sich zur wichtigsten Anlaufstelle für Probeabo-Kundenkontakte entwickelt.

Schon möglich, dass das Verhältnis zwischen der New-Media-Tochter der FAZ und ihrer Mutter so aussieht wie es Gastgeberin Claudia Mast, Kommunikationswissenschaftlerin der Uni Hohenheim, in Anlehnung an den Zeitungsdesigner Mario Garcia beschrieben hat: Es sei wie die "Ehe zwischen einem älteren Herrn (der Zeitung) und einer jungen attraktiven Frau (dem WWW)". Für die Beziehung der beiden besteht laut Garcia durchaus noch Hoffnung. (Monika Ermert) / (jk)