Corel lockt Microsoft-Kunden

Der Softwarekonzern Corel lockt US-Unternehmen mit WordPerfect für lau zum einjährigen Test sowie neuen Lizenzoptionen, die sich gegen Microsofts neue Lizenzpolitik richten.

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Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

Der Softwarekonzern Corel lockt US-Unternehmen mit neuen Lizenzoptionen -- und Microsoft-Kunden mit WordPerfect für lau. Zumindest für ein Jahr sollen Inhaber eines Microsoft Enterprise Agreement die Textverarbeitung des früheren Hauptkonkurrenten aus Ottawa kostenlos zum Testen erhalten. Allerdings gilt das Angebot, das über eine US-Telefonnummer wahrzunehmen ist, nur für Firmen in Nordamerika. Auch die neuen Optionen für einfacher kalkulierbare Unternehmenslizenzen haben derzeit keine Auswirkungen auf den europäischen Markt, obwohl Corel offenbar daran arbeitet, die Bestimmungen wenigstens auf England auszudehnen. Dagegen kann man nur spekulieren, ob Corel die in der aktuellen Version nicht mehr auf Deutsch erhältliche Office-Software nun vielleicht doch bald wieder für europäische Anwender lokalisieren wird. Der Hersteller könnte ja auch damit versuchen, alte Marktanteilen zurückzuerobern.

Die Kanadier dürften ihre Kampagne nicht von ungefähr konzipiert haben: Die Ankündigung fällt praktisch zusammen mit dem Start von Microsofts Lizenzprogramm 6.0, das wegen der Software Assurance nicht nur bei Unternehmenskunden heftige Proteste ausgelöst hatte. Nach Redmonder Vorstellungen müssen nämlich Unternehmen seit dem ersten August entweder lückenlos alle Upgrades für benutzte Microsoft-Programme abonnieren oder aber für Einzelbeschaffungen denselben Preis zahlen, mit dem auch Privatanwender zur Kasse gebeten werden.

Corel-Sprecher David Roberts räumte unumwunden ein, die Aktivitäten seien konzipiert, damit "Corel Vorteile aus der Verärgerung ziehen kann, die sich in Microsofts Kundenstamm über das neue Lizenzprogramm aufgebaut hat". Diese Linie verfolgt auch sein Kollege, Vertriebschef Gary Klembara, der sich aber nicht auf kostensparende Test-Installationen, sondern auf Vereinfachungen bei der Lizenzverwaltung bezieht. Er stößt damit ins selbe Horn wie Microsoft-Chef Steve Ballmer. Der erklärte sinngemäß, seine Kunden seien bloß deshalb so entsetzt, weil sie nie verstanden hätten, wie Microsofts Lizenzberechnungen vor dem Wechsel funktioniert hätten. (hps)