Kleine Gemeinde bunkert große Landes-Domain

Wer www.landesregierung-niedersachsen.de eingibt, landet nicht auf der Internetseite des Ministerpräsidenten oder der Ministerien, sondern bei einer kleinen Wählergemeinschaft in Merzen bei Osnabrück.

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Von
  • Carsten Wieland
  • dpa

Eine scheinbar offizielle Internet-Adresse des Landes hat niedersächsische Computernutzer ein Jahr lang auf die falsche Fährte gelenkt: Wer www.landesregierung-niedersachsen.de eingibt, landet nicht auf der Internetseite des Ministerpräsidenten oder der Ministerien, sondern bei einer kleinen Wählergemeinschaft in Merzen bei Osnabrück.

Lange Zeit hat niemand etwas gemerkt, bis Mitarbeiter der Grünen-Fraktion im Landtag auf die Umleitung stießen. Weder die Vorstandsmitglieder der Wählergemeinschaft Merzen (WGM) waren sich der prominenten Verknüpfung ihrer eigentlichen Internet-Adresse bewusst, noch war bisher jemandem in der Landesregierung das falsche Gleis aufgefallen.

"Bisher ist niemand darauf gekommen, dass so eine Adresse anders genutzt wird", sagte der Internet-Beauftragte der Staatskanzlei, Walter Swoboda, am Freitag. "Da muss ich mit denen mal sprechen und die Adresse zurückholen." Bei einem Rechtsstreit hätte die überparteiliche Wählergemeinschaft der 4100-Seelen-Gemeinde wenig Chancen, meint Swoboda. Denn so offensichtliche Adressen stünden dem Namensgeber zu.

Die virtuelle Verwirrung geht auf den Betriebswirt Martin Pelkmann zurück, der für den Web-Auftritt der WGM zuständig ist und in Eigenregie die Adresse reserviert hatte. Während der Kommunalwahl im vergangenen September habe er sich beim Land informieren wollen und sei bei dieser Adresse auf ein "Nichts" gestoßen. "Bevor die Seite brach liegt und ins Nirvana läuft, dachte ich, ich verlinke sie mal", meint er. "Damit wird wenigstens unser Bezug zu Niedersachsen klar."

Falls die Landesregierung den Lokalpolitikern die Adresse streitig machen wolle, frotzelten Beobachter, könne die Gemeinde ja die lang geplante Umgehungsstraße in Merzen als "Faustpfand" nutzen. Vielleicht treibe die Landesregierung das Projekt schneller voran, wenn die Wählergemeinschaft -- die für die Straße ist -- bereitwillig ihre prominente Visitenkarte im Web zu Gunsten der Regierung in Hannover abtrete.

"Ich glaube zwar nicht, dass das Verhältnis Straße gegen Internet-Adresse stimmt", sagt WGM-Vorsitzende Susann Gielians. "Aber wir könnten ja klein anfangen mit ein paar Gewerbe-Ansiedlungen." Swoboda kommentiert das Gedankenspiel mit den Worten: "Man müsste die Frage klären: Wie viele Kilometer ist eine Internet-Adresse wert?" -- und verweist auf die offizielle Adresse der Landesregierung: www.niedersachsen.de. (Carsten Wieland, dpa) / (anw)