Wahlkampf der Domain-Namen
Wie nie zuvor nutzen Sympathisanten und Gegner der Kanzlerkandidaten Internet-Adressen zur Wahlbeeinflussung.
Der Bundestagswahlkampf 2002 soll auch im Internet entschieden werden. Diese Ansicht teilen mittlerweile der Kanzler sowie seine Gegenspieler Edmund Stoiber und Guido Westerwelle, die jeweils eine eigene, teils ĂĽberladene Homepage unterhalten. Doch nicht hinter jeder Domain, die Schroeder oder Stoiber im Namen fĂĽhrt, steckt ein Kanzlerkandidat. Auch bei den Jusos und den GrĂĽnen nicht, die sich ĂĽber den Schachzug freuen, die Domains stoiber-skandale.de, www.stoiber-wird-kanzler.de und www.stoiber-for-bundeskanzler.de
ergattert zu haben.
Laut dem Branchendienst domain-recht.de ist zwischen den politischen Lagern ein Wettstreit um plakative Internet-Adressen entbrannt. "Wie noch nie in einem Wahlkampf zuvor nutzen Parteien und ihre Sympathisanten die plakative Wirkung
der Internet-Adressen", sagt Florian Hitzelberger, Jurist des Branchendienstes. "Auffallend ist, dass die Parteien nicht mit inhaltlichen Themen fĂĽr sich werben, sondern versucht wird, den politischen Gegner mit schlagwortartigen Domains herabzusetzen."
Als Beispiele nennt Hitzelberger Domains wie etwa nichtregierungsfaehig.de und der-bessere-kanzler.de, hinter denen mal eine Wahlkampfzentrale, mal der gemeine Wahlhelfer steckt. Letzterer weiß offensichtlich, was die Wähler am meisten bewegt. Natürlich darf Schröder nicht Kanzler bleiben und Stoiber es nicht werden. Nur Guido Westerwelle ist fein raus, weil ihm den Kanzler niemand zutraut.
Und Joschka Fischer? Der wird von gruen-wuergt.de an seinen Wahlkampfslogan "Grün wirkt" erinnert. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass hier wie bei vielen Wahlkampf-Domains der Name weit interessanter als der Inhalt ist. Etwa bei bundeskanzler-flasche-bier.de oder kanzler-schroeder-a.de. Bei anderen ist die Adresse das Programm. Diesen schnörkellosen Wahlkampfstil verfolgen unter anderen die Websites gegen-rot-gruen.de und bleib-in-bayern.de.
Probleme damit haben bisher allenfalls Juristen, die auf die geltende Rechtssprechung verweisen. "Wer die Namen bekannter Persönlichkeiten als Domain registriert, verletzt damit möglicherweise als so genannter Domain-Grabber deren Namensrechte und begibt sich in die Gefahr einer meist kostenpflichtigen Abmahnung", gibt Hitzelberger zu bedenken. Das sollte allen Wahlhelfern zu denken
geben. AuĂźer den GrĂĽnen versteht sich, die in diesem Wahlkampf schon ihr Lehrgeld gezahlt haben.
Ăśbrigens: Das Diskussionsforum zur Bundestagswahl soll Lesern die Gelegenheit geben, auch auf heise online ihre Ansichten nicht nur zu Politiker-Webseiten, gelungenen oder misslungenen Wahlkampf-Sites sowie IT-Themen im Umfeld der Bundestagswahl zu diskutieren. NatĂĽrlich geht es in dem Forum auch um die Inhalte der Parteien -- schlieĂźlich beeinflussen sich die Entwicklungen in der IT-Branche und politische Entscheidungen sowie die Wahl-Programme der Parteien auch gegenseitig.