Neuer Fraunhofer-Präsident nimmt Biotechnologie ins Visier
Der designierte Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), Hans-Jörg Bullinger, will die Biotechnologie mehr in den Fokus der Forschungsorganisation rücken.
Der designierte Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), Hans-Jörg Bullinger, will die Biotechnologie mehr in den Fokus der Forschungsorganisation rücken. "Wir werden die Lebenswissenschaften noch stärker ins Visier nehmen, ohne dabei in unseren anderen Bereichen nachzulassen", sagte Bullinger in einem dpa-Gespräch. "Die Biotechnologie ist bisher etwas untergewichtet." Die Fraunhofer-Institute seien auf diesem Gebiet vor allem mit Gentechnik für Pflanzen beschäftigt, künftig solle aber auch das Engagement in der Medikamentenentwicklung ausgebaut werden. Bullinger wird am 1. Oktober Nachfolger des bisherigen FhG- Präsidenten Hans-Jürgen Warnecke.
Im europäischen Ausland strebt Bullinger nicht nur Kooperationen wie bisher, sondern fest verankerte Joint-Ventures mit den dort führenden Forschungseinrichtungen an. Die Unternehmen, die als deutsche Forschungspartner den Fraunhofer-Instituten Aufträge erteilen, seien immer stärker international orientiert. "Deshalb müssen wir auch im Ausland aktiv sein, um sie kompetent beraten zu können." Wichtig sei über Europas Grenzen hinaus der enge Kontakt in die USA, weil die amerikanische Forschung ein Maßstab für andere Länder sei. Asien bilde einen weiteren Schwerpunkt, sagte Bullinger. Der 58-Jährige leitet seit 21 Jahren das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart.
Bullinger machte sich für mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung in Deutschland stark. "Wir haben nur als kreative und innovative Nation überhaupt eine Überlebenschance." Ein höherer Lebensstandard im Vergleich zu Ländern, die die gleichen Produkte herstellen können, ließe sich auf Dauer nicht rechtfertigen. "Die anderen sind besser geworden. Nur durch Verwalten des bisher Erreichten werden wir im internationalen Wettbewerb zurückfallen", betonte Bullinger. Der Innovationsdruck müsse erhöht werden. "Dazu können wir einen Beitrag leisten."
Die Fraunhofer-Gesellschaft versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Dazu gehören bundesweit 56 Institute mit einem Forschungsvolumen von etwa einer Milliarde Euro und 11.000 Mitarbeitern. Vor einem Jahr wurden nach heftigen Auseinandersetzungen die acht auf Informations- und Kommunikationstechnologie spezialisierten GMD-Institute in die Gruppe integriert. Auch das Berliner Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik soll ein Teil des Verbundes werden. Rund zwei Drittel des Etats deckt die FhG bisher mit Aufträgen aus der Industrie und öffentlich finanzierten Projekten, der Rest sind Zuwendungen von Bund und Ländern. Sitz der Zentrale ist München. (dpa) / (jk)