Internationaler Internet-Kinderporno-Ring gesprengt
Die Polizei hat am Dienstag in sechs europäischen Ländern einen internationalen Internet-Tauschring für Kinderpornografie gesprengt.
Die Polizei hat am Dienstag in sechs europäischen Ländern einen internationalen Tauschring für Kinderpornografie im Internet gesprengt. Schwerpunkt der Aktion war Deutschland, wo laut einer Mitteilung des Bundeskriminalamts (BKA) seit heute Morgen sechs Uhr 36 Wohnungen und Büros von 31 Beschuldigten durchsucht wurden. Neun der Männer hätten bei ihren Vernehmungen gestanden, pornografische Bilder im Internet getauscht zu haben. Ihnen drohen mehrjährige Haftstrafen. Nach Erkenntnissen der britischen Polizei weist die Organisation Schattenbruderschaft hoch entwickelte kriminelle Strukturen auf.
Insgesamt wurden Wohnungen und Büros von rund 50 Verdächtigen in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Spanien und Italien durchsucht. In Großbritannien wurden dabei sechs Männer im Alter zwischen 23 und 62 Jahren festgenommen. Insgesamt sollen dem Kinderporno-Ring Männer aus zwölf Ländern, darunter die USA und Kanada, angehören. Die Polizei hatte dort zum Teil schon in den vergangenen Monaten zugegriffen.
In Deutschland wurden Räume unter anderem in Berlin, Hannover, Saarbrücken, München, Mainz und im Ruhrgebiet durchsucht. In Hessen griff die Polizei nahe Heppenheim (Kreis Bergstraße) ein. Auch in Rheinland-Pfalz wurden die Behörden in Mainz und in der Nähe von Kaiserslautern aktiv. Die Polizei beschlagnahmte bundesweit 37 Computer, rund 2700 CD-ROMs und etwa 580 Videokassetten. "Es sind kriminelle Pornobilder und Filme. Die gesamte Palette ist dabei", sagte ein BKA-Sprecher.
Unterdessen teilte die britische Polizei in London mit, die Schattenbruderschaft habe mit einer "hierarchischen Zellenstruktur" gearbeitet, wie man sie bisher nur von Terroristen oder Drogenschmugglern kenne. Demnach existiert die Gruppe seit etwa zwei Jahren. Zudem hätten die Täter über neueste technische Möglichkeiten verfügt. Um ihren jeweiligen Standort zu verschleiern, hätten die Täter unter anderem hoch entwickelte Verschlüsselungstechniken benutzt. Auf dem beschlagnahmten Material seien vielfach auch kleine Babys abgebildet gewesen.
Nach Erkenntnissen des BKA hatten die Täter mit den Filmen und Bildern nicht gehandelt, sondern sie getauscht. Das sichergestellte Material müsse aber erst ausgewertet werden. Gewerbsmäßiger Handel mit pornografischen Bildern kann mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Für das Sammeln liegt das Strafmaß erheblich darunter. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt verfolgt die Delikte zentral für Deutschland.
Auf die Spur des Tauschrings kam die Polizei vor rund einem Jahr in Schweden, wie das BKA mitteilte. Von dort seien Kontakte zu Pornografie-Sammlern in elf weiteren Ländern festgestellt worden. Deutschland stellte sich als Zentrum des Tauschrings heraus. Europol habe die internationale Koordination der Operation mit dem Namen "Twins" (Zwillinge) übernommen, für Deutschland übernahm das BKA die Führung.
"Bereits die international koordinierten Maßnahmen gegen Verbreiter von Kinderpornografie im Internet unter den Bezeichnungen 'Cathedral' (02.09.1998), 'Nadelöhr' (14.11.2001) und 'Artus' (20.03.2002) waren das Ergebnis langwieriger Ermittlungen. Auch die jetzige Operation 'Twins' ist ein Beleg für den Umfang und die Komplexität von Ermittlungsverfahren gegen Verbreiter von Kinderpornografie im Internet", teilt das BKA mit. Insbesondere auf dem Gebiet der im Internet verübten Straftaten sei ein hohes Maß an Professionalität sowie ein schnelles Zusammenwirken der Strafverfolger dringend erforderlich. Auch der Schlag der britischen Polizei gegen Kinderpornografie im Mai war das Ergebnis langwieriger Ermittlungen in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen FBI. (anw)