Software made in "MeckPom" auf West-Kurs
Die Rostocker SIV AG eröffnet morgen eine Dependance in Ratingen bei Düsseldorf. Das Softwareunternehmen will danach weiter gen Westen expandieren.
Jörg Sinnig hat ehrgeizige Ziele. Der 43-Jährige will mit seiner "Software made in Mecklenburg-Vorpommern" in den nächsten drei Jahren die Verwaltungsetagen der deutschen Ver- und Entsorgungsbranche erobern. "Unser Ziel ist die Marktführerschaft", sagt der Vorstandschef der SIV AG in Rostock. Die Softwareschmiede steigerte ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 61 Prozent auf 8,7 Millionen Euro. Als nächstes steht die "West-Expansion" auf dem Programm. In Ratingen bei Düsseldorf eröffnet die SIV morgen Abend ihre erste Dependance in Westdeutschland, wo 70 Prozent der Kunden sitzen. Weitere sollen folgen.
"Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, dann kommt der Prophet zum Berg", sagt Sinnig. Die Expansion ist für ihn und Marketing-Vorstand Armin Köhler folgerichtig. "Unser Produkt ist beratungsintensiv. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen wir näher an die Kunden ran, um Fahrkosten und Zeit zu sparen." Das Produkt heißt kVASy und soll Stadtwerken eine Komplettlösung an die Hand geben. Ob Wasserwirtschaft, Gas, Strom, Hundesteuer, Busfahrkarten, Strafzettel oder Mahnungen -- "kVasy" verwalte, rechne und kontrolliere für die öffentlichen und privaten Dienstleister.
"Zehn Prozent Marktanteil haben wir bereits", rechnet Sinnig, der als Grundlage rund 1200 größere deutsche Versorgungsunternehmen als Basis nimmt. 125 Kunden hat die SIV AG. Die meisten größeren Aufträge kamen in den vergangenen drei Jahren. Einen regelrechten Boom erlebt die Firma seit 1995 dank "Liberalisierung und Deregulierung". Dahinter verbirgt sich die Aufhebung von jahrzehntelangen Monopolen bei Strom, Wasser und Gas. Von 1990 bis 2001 stieg die Zahl der Mitarbeiter auf das 175-fache -- die heutige SIV AG startete damals als "Ein-Mann-Betrieb".
Im Ratinger Büro sollen zunächst fünf "Consultants" arbeiten. Bis zum nächsten Jahr will Sinnig die Dependance auf bis zu 20 und mittelfristig auf rund 40 Mitarbeiter ausbauen. Als nächster Standort ist Bamberg in Bayern im Gespräch. Neben dem Hauptsitz Rostock ist die SIV AG derzeit in Bad Sülze und Magdeburg vertreten. Von den 175 Mitarbeitern kommen 95 Prozent aus Ostdeutschland und darauf sind Sinnig und Köhler auch ein wenig stolz.
Die Firma wies in den vergangenen Jahren jeweils Steigerungsraten beim Umsatz von mehr als 50 Prozent aus. 2002 rechnet die SIV mit einem Vorsteuer-Gewinn von 250 000 Euro. Vorstandschef Sinnig weiß aber um die Risiken zu schnellen Wachstums. Deshalb lautet die Devise erst einmal "Ball flach halten" und konsolidieren. Das heiße aber nicht "Abwarten und Tee trinken". Der Kuchen im deutschen Software-Markt für die Versorgungsbranche sei schon lange verteilt. "Es geht um Verdrängung", sagt Sinnig.
Im Ausland sieht es anders aus. Dort stehen Märkte oft erst vor der Liberalisierung und Erfahrungen aus Deutschland sind gefragt. Kontakte bestehen nach Südafrika, wo eine SIV-Delegation in den kommenden Wochen Gespräche mit Versorgungskonzernen aufnehmen wird. Dabei hat die Firma aber -- im Gegensatz zum westdeutschen Markt -- von vornherein ein Problem weniger: "Im Ausland sind wir keine Software-Firma aus Mecklenburg-Vorpommern, sondern ein Unternehmen aus Deutschland", sagt Sinnig. (Helmut Reuter, dpa) / (anw)