STMicroelectronics angeblich an Motorolas Chip-Sparte interessiert

Die Kombination der Halbleitergeschäfte der beiden Konzerne würde den zweitgrößten Chiphersteller der Welt nach Intel schaffen.

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Von
  • Jürgen Kuri

Es gibt wohl keine Geschäftszahlen, die in der momentanen Krise den Firmen nicht Anlass zu weiteren Restrukturierungen gäben: Motorola gab zwar gerade den ersten Gewinn nach sechs Verlustquartalen bekannt, trotzdem aber wird heftig spekuliert, ob der US-Konzern nicht seine Halbleitersparte verkaufen wird.

Wie die Londoner Financial Times berichtet, soll STMicroelectronics daran interessiert sein, die Chip-Sparte von Motorola zu übernehmen. Sprecher des europäischen Halbleiterherstellers dementieren zwar laut FT offiziell, dass es Gespräche über eine Fusion mit Motorola oder einem anderen Konkurrenten gegeben habe. Vertreter der italienischen und der französischen Regierung bestätigten aber laut der Finanzzeitung, dass die beiden Firmen Gespräche führten, ihre Chip-Sparten zusammen zu legen. Die beiden Regierungen sind im Besitz von rund 36 Prozent der Anteile an STMicroelectronics, die aus der italienischen SGS durch Zusammenlegung mit der Mikroelektronik-Abteilung der französischen Thomson-Gruppe entstand. Motorola lehnte bislang jeden Kommentar zu dem Bericht ab.

Die kombinierte Firma würde auf einen Umsatz von 11 Milliarden US-Dollar kommen und den zweitgrößten Chiphersteller der Welt nach Intel darstellen. Die Halbleitersparte von Motorola konnte allerdings gerade erst einen Umsatz- und Gewinnanstieg vermelden, während der Handy-Bereich mit Umsatz-Rückgängen leben musste. Motorolas Chef Christopher Galvin hatte jedoch in den vergangenen Monaten schon einen harten Umstrukturierungskurs gefahren, um den Konzern, der nach Nokia zweitgrößter Handy-Hersteller ist, wieder in die Gewinnzone zu bringen. Eine schmalere, liquidere und besser arbeitende Motorola sei gerüstet, in dieser Zeit der Krise zu gedeihen, meinte Galvin vor einiger Zeit. So wurde denn auch Motorola schon mit mehreren Plänen in Verbindung gebracht, die einzelnen Sparten neu zu organisieren oder gar zu verkaufen. Zuletzt gab es Spekulationen, der US-Konzern könnte den Handy-Bereich von Siemens übernehmen und im Gegenzug das Geschäft mit der Infrastruktur für Mobilfunknetze an den deutschen Konzern abgeben.

Mit STMicroelectronics ist Motorola bereits in einer gemeinsam mit Philips betriebenen Entwicklungsgemeinschaft für 90-nm-Chips auf 300-mm-Wafer verbandelt. Die Zusammenlegung der Halbleitersparten von Motorola und STMicroelectronics könnte, so will es die Financial Times erfahren haben, bereits Anfang nächsten Jahres über die Bühne gehen -- wenn die Gespräche erfolgreich verlaufen. Ob sie tatsächlich ernsthaft geführt werden und dann auch ein Ergebnis zeitigen, bleibt natürlich abzuwarten. (jk)