Chipbroker Erich Lejeune muss zum Abschied kämpfen
Auf seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandschef des Chipbrokers ce Consumer musste sich Erich Lejeune auf seine geballte Motivationskunst verlassen.
Auf seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandschef des Chipbrokers ce Consumer musste sich Erich Lejeune auf seine geballte Motivationskunst verlassen. Der Buchautor, Fernsehtalkmaster und Unternehmensgründer fing sich erstmals deutliche Kritik von seinen Aktionären ein. Angesichts einer Reihe von Hiobsbotschaften unmittelbar vor der Hauptversammlung kam Lejeune -- eines der Urgesteine am Neuen Markt -- aber noch relativ glimpflich davon. In bewährter Manier gelang es Lejeune, seinen Kritikern Wind aus den Segeln zu nehmen.
Während viele andere Vorstandsvorsitzende sich bemühen, den Aktionären möglichst aus dem Weg zu gehen, schüttelte der selbst ernannte "Mr.Chip" fast jedem einzelnen die Hand. "Kopf hoch", lautete seine Aufforderung an die Anteilseigner. Lejeune, der das Unternehmen 1976 gegründet hat, galt schon immer als eine der schillerndsten Persönlichkeiten am Neuen Markt. Bei der Spielvereinigung Unterhaching warb er auf den Trikots der Profikicker für sein Unternehmen und auf der Spielfeldbande für sich selbst: "Erich Lejeune -- Deutschlands Motivator Nummer eins".
Auch auf der Hauptversammlung warb Lejeune wie ein Wanderprediger um das Vertrauen der Aktionäre. Sein Manuskript legte er gleich zur Seite und beschwor die rund 300 Aktionäre, Milde walten zu lassen. Das Management habe alles getan, um die Auswirkungen der Branchenkrise abzufedern. "Wenn ich Ihnen sage, was wir in den letzten zwölf Monaten alles gemacht haben, dann haut Sie das um." Der Chiphandel sei ein volatiles Geschäft. Am Abend vor der Hauptversammlung hatte ce Consumer die Aktionäre mit der Ankündigung von 47 Millionen Euro Wertberichtigungsbedarf und von Verlusten in diesem Jahr geschockt.
Weltweit steckt die Halbleiterbranche in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Vor allem die Hersteller von Computern, Handys und Unterhaltungselektronik blieben 2001 auf ihren Produkten sitzen und schränkten ihre Bestellungen bei den Halbleiterherstellern massiv ein. Allein in Deutschland brach der Halbleitermarkt um 14 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro ein. Ein Aufschwung ist noch nicht in Sicht. Nach Intel senkte auch der weltweit zweitgrößte Hersteller von Mikroprozessoren AMD seine aktuelle Umsatz-Prognose. Deutschlands größter Chiphersteller Infineon rechnet im laufenden Geschäftsjahr erneut mit Verlusten.
Größtes Problem der Branche bleiben der schwache Absatz von Computern, die Flaute in der Telekommunikation und der rasante Preisverfall bei Speicherchips. Nach den Einbrüchen im vergangenen Jahr rechnet der Branchenverband Semiconductor Industry Association 2002 zumindest wieder mit einem bescheidenen Zuwachs von drei Prozent. Im Mai legte der weltweite Halbleiterabsatz leicht um 2,8 Prozent auf 11,37 Milliarden US-Dollar zu. Für 2003 erwartet der Verband aber wieder einen Zuwachs von 23,2 Prozent.
Von einem Ende der Krise ist auch Lejeune überzeugt. "Der Markt wird anziehen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche." Wenn es so weit ist, gebe es keine Branche, die so gierig nach Profit sei. "Dann haben unsere Verkäufer wieder Dollarzeichen in den Augen." Im laufenden Jahr allerdings stellt sich Lejeune wegen der hohen Abschreibungen auf einen hohen Verlust ein. Der Kurs der ce-Aktie hat die schlechten Aussichten schon eingepreist. Seit Jahresbeginn stürzte die Aktie von mehr als 8 auf nun zeitweise nur noch 1,54 Euro ein. Für den Einbruch machte Lejeune neben der Branchenflaute auch die Vertrauenskrise am Neuen Markt verantwortlich. "Sie könnten momentan die Jesus AG sein, und man würde Ihnen nicht trauen." (Axel Höpner, Daniela Wiegmann, dpa) / (anw)