Zeitungsverleger wettern gegen Online-Auftritte öffentlich-rechtlicher Sender

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger kritisiert die "unbegrenzte Expansion" der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet und fordert "klare Gesetze".

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Dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) wird das Treiben der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet zu bunt. Deshalb hat er heute auf seiner Jahrespressekonferenz die Ministerpräsidenten der Länder aufgefordert, die "fortwährende Expansion der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender im Internet" durch gesetzliche Regelungen zu stoppen. Das im Rundfunkstaatsvertrag verankerte Verbot von Werbung und Sponsoring sei nicht ausreichend, meint der Hauptgeschäftsführer des BDZV, Volker Schulze.

Die Zeitungsverleger stellen sich damit offen gegen Bestrebungen von ARD und ZDF, ihre Angebote im Internet auszuweiten. Davon unbeirrt hat das ZDF dieser Tage sein überarbeitetes Internet-Angebot vorgestellt. Im Februar hatte der baden-württembergische Staatsminister Christoph Palmer vorgerechnet, dass die ARD einen Bedarf von 175 Millionen Euro bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten angemeldet hatte, und zwar für den Ausbau des Onlinebereichs. Gewährt wurden 45 Millionen Euro.

Die Vorgabe im Rundfunkstaatsvertrag, das Angebot müsse "vorwiegend programmbezogen" sein, sei viel zu schwammig, meint der BDZV. "Alles, was keinen direkten Bezug zum jeweiligen TV-Programm aufweist, muss von den Internetplattformen verschwinden." Zur Pressekonferenz präsentierte der BDZV etliche Fallbeispiele zum Auftritt der öffentlichen-rechtlichen Sender im Web. Dort würden mitunter Shops unterhalten, in denen beispielsweise Haushaltsgeräte und Lesebrillen verkauft werden. Es gebe Gewinnspiele mit Firmensponsoring und direkte Links auf die Seiten von Erotik-Anbietern, kommerzielle Wettgemeinschaften, Gratis-SMS und virtuelle Marktplätze. "Diesen Auswüchsen muss der Gesetzgeber endlich Einhalt gebieten", forderte der BDZV-Hauptgeschäftsführer.

Den Zeitungsverlagen ist es nach eigenen Angaben noch nicht gelungen, "Erlösmodelle im Internet zu etablieren". Es sei grundsätzlich sehr schwierig, Inhalte gegen Bezahlung im Netz anzubieten. Langfristig müssten maximal 20 Prozent des Umsatzes über Bezahl-Inhalte erwirtschaftet werden. Zu den wichtigsten Erlösquellen sollten Werbung und Sponsoring entwickelt werden. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) habe für die Online-Werbeträger Nettoerlöse in Höhe von lediglich 185 Millionen Euro ermittelt. "Da ist noch viel Potenzial" so Fuhrmann. (anw)