Deutsche Amtsstuben entdecken das Internet
E-Procurement wird in Grevenbroich groß geschrieben. Mittlerweile ordern dort selbst die städtischen Kindergärten ihre Fingerfarbe am Bildschirm.
Berthold Lomanns geht auf Einkaufstour. Einen Winkelschleifer, zwei Schutzanzüge und ein paar Arbeitshosen muss der Verwaltungsmitarbeiter für die niederrheinische Stadt Grevenbroich diesmal besorgen. Dazu wälzt der 47-Jährige keine Kataloge mehr, und bei Händlern ruft er auch nicht mehr an. Denn in Grevenbroich wird inzwischen von Büroklammern bis zu Arbeitsschuhen nahezu alles über das Internet gekauft. E-Procurement heißt das Zauberwort -- zu deutsch: Beschaffung über das Internet.
Für die deutschen Kommunen ist das derzeit "ein ganz heißes Thema", heißt es beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) in Köln. Denn damit lasse sich viel Zeit und Geld sparen. Grevenbroich zählt zu den Pionieren unter den deutschen Amtsstuben. "Nur 50 bis 100 der insgesamt rund 10.000 deutschen Stadt- und Gemeindeverwaltungen bestellen tatsächlich schon über das Internet", berichtet der Experte des Städtebunds, Franz Reinhard Habbel. Das werde sich jedoch bald ändern: Bis zum Jahr 2005 würden voraussichtlich drei von vier Verwaltungen ihre Bleistifte per Tastendruck beschaffen. Bis zu 70 Prozent der Arbeitszeit könnten so bei der Beschaffung eingespart werden.
Nachdem sich Lomanns in Grevenbroich mit Namen und Kennwort auf der Seite des Internet-Marktplatzes Intersource angemeldet hat, tauchen verlockende Schnäppchen auf seinem Bildschirm auf: Klopapier ist heute im Angebot bei dem Internetmakler, der sich auf die öffentliche Verwaltung spezialisiert hat. Ein- oder zweilagig, schon ab 7,34 Euro pro Großpackung.
Doch der Nachschub für die stillen Örtchen des Rathauses lässt Lomanns heute kalt. Manches Mal ist er dort aber auch schon schwach geworden: "Vor kurzem hab ich da 20 Lichtschalter gefunden, die waren gerade sehr günstig." Der Haupteinkäufer springt gleich weiter zur Rubrik "Werkzeug".
Dort hat er dann die Qual der Wahl: Händler, Marke, Wattzahl, Preis. Gut 100 Euro kostet der günstigste Schleifer. Lomanns kontrolliert noch die Versandkosten und klickt dann auf "bestellen" -- und hat seine Einkaufstour nach wenigen Minuten beendet. "Überstunden muss ich mittlerweile nicht mehr machen", freut sich der Einkäufer -- und lästige Vertreter tauchen auch nicht mehr auf.
Mittlerweile ordern in Grevenbroich selbst die städtischen Kindergärten ihre Fingerfarbe am Bildschirm. Was der Einkauf per Mausklick bringt, listet eine Kostenanalyse der Stadt haarklein auf: Die Bestellungen kosten 36 Prozent weniger Arbeitszeit, im Internet seien die Einkäufe zudem durchschnittlich sieben Prozent billiger. Unterm Strich spare die Stadt so jährlich insgesamt rund 140.000 Euro.
In Düsseldorf will man noch einen Schritt weiter gehen als in der nordrhein-westfälischen Provinz: Die Landeshauptstadt hat als einzige deutsche Stadt bereits mehrere komplette Ausschreibungen für Großprojekte auf ihrer Homepage angeboten. Firmen können ihre Angebote online abgeben -- was bislang aber noch keine einzige getan hat.
Der Haken: "Kaum ein Unternehmen hat bislang eine Signaturkarte", sagt der Projektleiter Stefan Ricke. Dieses Hilfsmittel in Scheckkartenform ermöglicht die digitale Unterschrift und ist nötig, um ein gültiges Angebot in Düsseldorf abzugeben. Bis die Unternehmen ihre Computer aufgerüstet haben, müssen sie die Angebote weiterhin mit der guten alten Post zur Stadtverwaltung schicken. (Markus Weber, dpa) / (anw)