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Die kolumbianischen Drogenszene liefert Computer-Lehrstücke für amerikanische Ermittlungsbehörden.
Wohl kaum jemand wunderte sich, als im März das FBI EDV-Nachhilfe bei den Mormonen nahm. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wie die Glaubensgemeinschaft korrekt heißt, pflegt mit großem Aufwand genealogische Datenbanken zum Nutzen ihrer Mitglieder und anderer Interessenten -- Grund genug fürs FBI, sich dort über Nachfolger für das eigene, völlig veraltete Rechnersystem zu informieren.
Auf anderen Wegen kam die US-Drogenfahndung (Drug Enforcement Administration, DEA) zu neuem Know-how: Als ihre Agenten 1994 das Hauptquartier des kolumbianischen Cali-Drogenkartells sprengten, bestand ihre wichtigste Beute aus einem 1,5 Millionen US-Dollar schweren AS400-Rechner von IBM. Tags darauf hatten sie die Genehmigung des kolumbianischen General-Staatsanwalts, den Rechner mit nach Hause zu nehmen, wo sie die AusrĂĽstung grĂĽndlich studierten.
Das beschlagnahmte Material dürfte den DEA-Inspektoren einigen Respekt eingeflößt haben. Zwar blieben die Erkenntnisse erwartungsgemäß unter Verschluss, doch was jetzt mit achtjähriger Verspätung an die Öffentlichkeit sickerte, präsentiert sich noch immer als das reinste Hightech-Schaufenster. Als Beispiele können die steganografisch gesicherten Nachrichtenkanäle mit verteilten Radio-Relais ebenso herhalten wie die Software der Drogenbosse fürs Data Mining oder Supply Chain Management -- beides Techniken, die heute in legalen Anwendungsbereichen als der letzte Schrei vermarktet werden. Nur, dass die Verteilung von Kokain für 1,3 Milliarden US-Dollar im Jahr nach ganz besonders robuster Organisation verlangt, ebenso wie die Kreuzkorrelation der in Kolumbien erspitzelten Telefonrechnungen mit den Adressen amerikanischer Drogenfahnder und deren Telefonaten nach Lateinamerika. Erst nachträglich lernten die US-Ermittler, mit welchen Methoden ihre -- postwendend umgebrachten -- Maulwürfe im Drogenkartell entdeckt wurden. (hps)