HAZ: Volles Online-Programm nur noch für Abonnenten
In den nächsten Monaten specken die Hannoversche Allgemeine und die übrigen Zeitungen der Verlagsgruppe Madsack ihre kostenlosen Online-Dienste erheblich ab und bauen im Gegenzug ihr Internet-Angebot für ihre Abonnenten aus.
"Außer Spesen nichts gewesen" lautet das nüchterne Fazit, wenn es um den bisherigen Online-Auftritt der Verlagsgesellschaft Madsack geht, die allein in Niedersachen acht Tagenzeitungen und 25 Anzeigenblätter -- darunter "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) und "Neue Presse" -- herausgibt. Zwar seien besagte Spesen noch relativ niedrig gewesen, aber auch hier wurde nach eigenen Aussagen Lehrgeld bezahlt.
Man habe sich mit dem umfangreichen Online-Angebot zum Nulltarif selbst Konkurrenz gemacht, erklärte Friedhelm Haak, Vorsitzender der Geschäftsführung, in einem Bericht der HAZ. Nun will der Verlag Konsequenzen ziehen: In den nächsten Monaten werden die Madsack-Zeitungen die kostenlosen Online-Dienste erheblich abspecken, im Gegenzug ihr Internet-Angebot für die zahlenden Abonnenten der Zeitungen ausbauen."Im Mittelpunkt des Interesses steht jetzt der Abonnent", erklärte Haak weiter. Bis Ende des Jahres werde man umgestellt haben; dann sollen die kompletten Zeitungsausgaben schon am Abend vor dem Erscheinungstag im Internet zu lesen sein -- aber nur für Abonnenten der Zeitung. Alle anderen bekommen nur noch ein Werbeangebot.
Mit der Software e-Viva, einer Eigenentwicklung zusammen mit der Lufthansa Systems, will Madsack schließlich sogar Vorreiter in der Zeitungsbranche werden: Das System ermöglicht es, Anzeigen vom heimischen Schreibtisch aus direkt in den Verlagscomputer einzugeben, statt wie bisher E-Mails mit dem Anzeigentext an den Verlag zu schicken. Der Kunde soll die Anzeige an seinem Computer exakt so sehen, wie sie später erscheint. Außerdem kann er seine gedruckte Anzeige mit einem Bild im Internet ergänzen. Der gesamte Prozess läuft automatisch, die Anzeige muss bis zum Druck -- bis auf die presserechtliche Kontrolle des Inhalts -- nicht mehr bearbeitet werden. Haak verspricht Anzeigenkunde neben mehr Komfort einen späteren Annahmeschluss und bei regelmäßiger Nutzung Rabatt. Der Verlag wiederum soll von den geringeren Kosten profitieren, mittelfristig über Vorruhestand etwa 150 seiner 3100 Stellen einsparen.
Auch für e-Viva gilt allerdings, dass nur die Zeitungsabonnenten die volle Leistung erhalten. Nur sie können dort inserieren und die vollständigen Anzeigen abrufen. Andere erhalten die Telefonnummer des Inserenten nur, wenn sie elektronisch die komplette Zeitung kaufen. (nij)