Spam-Mails werben fĂĽr "DSL-Dialer"

Viele Internet-Nutzer haben in den vergangenen Tagen Spam-Mails erhalten, in denen fĂĽr einen so genannten "DSL-Dialer" geworben wird.

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Viele Internet-Nutzer haben in den vergangenen Tagen Spam-Mails erhalten, in denen fĂĽr einen so genannten "DSL-Dialer" geworben wird. Der Absender verspricht Zugang zu einem Erotik-Angebot, ohne in irgendeiner Form auf entstehende Kosten hinzuweisen. Die E-Mail verwies wie so oft auf eine URL des kanadischen Subdomain-Services netmails.com, wo man ein "Zugangsprogramm fĂĽr DSL/LAN-Nutzer" herunterladen sollte.

Diese Datei "zugangvs.exe" stammt vom Billing-Service IBI-TEC. Wenn sie gestartet wird, fordert sie den Nutzer auf, die Auskunftsnummer 11845 anzurufen. Dort soll der Nutzer sich mit dem "Internet" verbinden lassen und einen von der Software generierten Code eingeben. Solange die Telefonverbindung gehalten wird, kann der Nutzer dann nach dem Klick auf einen "Start"-Button über den in der Software enthaltenen Mini-Browser im Erotik-Angebot surfen. Sobald er den Hörer auflegt, sind die Inhalte nicht mehr erreichbar.

Weder in der Spam-E-Mail noch in der Software wird an irgendeiner Stelle auf entstehende Kosten hingewiesen. Die Nummer 11845 betreibt der Mehrwertdienste-Anbieter GeoPhone. Auf dessen Homepage findet sich recht versteckt der Hinweis, dass jede Verbindung zu der Auskunftsnummer mit 1,99 Euro pro Minute abgerechnet wird. c't hat die Verfahrensweise geprĂĽft: Bevor wir ĂĽberhaupt zu einem Operator durchdrangen, hingen wir fĂĽr ĂĽber zwei Minuten in der Warteschleife und zahlten allein dafĂĽr ĂĽber vier Euro. Der Operator fragte direkt nach dem gewĂĽnschten Partner, ohne auf Kosten hinzuweisen. Auch als wir endlich die PIN eingegeben hatten, erfuhren wir nicht, wieviel uns fĂĽr den "Service" berechnet wird.

"So lange noch nicht rechtlich gesichert ist, dass wir die Kosten angeben müssen, werden wir das auch nicht tun", verteidigte sich Geophone-Geschäftsführer Clemens Block auf Nachfrage von heise online. In der Tat ist noch nicht geklärt, ob Anbieter von 118XX-Auskunftsnummern die Anrufer über entstehende Kosten informieren müssen. Block wies darauf ihn, dass auch größere Betreiber wie die Telekom oder Telegate nicht auf die Kosten hinweisen würden: "Wir machen das nicht, weil es keiner macht", lautet sein Motto. Er werde aber umgehend den hinter dem Dienst "Internet" stehenden Partner auf die Spam-Welle ansprechen. "Vielleicht werden wir es bei einer Verwarnung belassen, oder aber wir sperren den Zugang", erklärte Block.

"Internet" besteht ĂĽbrigens aus zusammengeklaubten Inhalten anderer Erotik-Content-Anbieter. So erreicht man fĂĽr 1,99 Euro pro Minute etwa die Website erotikchat4free.de und darf am Chat teilnehmen. Das geht allerdings auch ganz kostenlos auf der Website des Anbieters selbst.

Mit der Internet-Seuche Spam befasst sich c't in der Ausgabe 22/2002 von c't (ab Montag, den 21. Oktober im Handel) unter anderem mit Artikeln ĂĽber Anwender- und Administrationstools gegen unerwĂĽnschte Werbe-Mails und einem Report darĂĽber, wer hinter deutschsprachigem Spam steckt. (hob)