Ein Ende der Verwirrung um MobilCom ist in Sicht

Die Rettung für das angeschlagene Mobilfunkunternehmen MobilCom rückt näher.

vorlesen Druckansicht 22 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Eckart Gienke
  • dpa

Die Rettung für das angeschlagene Mobilfunkunternehmen MobilCom rückt näher. Teils widersprüchliche Meldungen aus Büdelsdorf und Paris sorgten am Freitag für Verwirrung und hektische Kursausschläge bei der MobilCom-Aktie, doch steht eine weitgehende Entschuldung innerhalb der nächsten zwei Wochen bevor. Großaktionär France Telecom will das Kapitel für sich abschließen und verhandelt mit MobilCom-Emissär Dieter Vogel um einen Verzicht auf mögliche Schadenersatzklagen.

Das Handelsblatt veröffentlichte am Freitag Einzelheiten aus einem Vertragsentwurf zwischen MobilCom und France Telecom. Danach übernehmen die Franzosen nicht nur die Bankkredite von 4,7 Milliarden Euro und die Lieferantenkredite von 1,1 Milliarden Euro der Firmen Nokia und Ericsson, sondern zusätzlich 485 Millionen Euro für den Ausstieg aus dem Mobilfunk nach dem neuen UMTS-Standard. Die beiden ersten Punkte sind bereits mit Banken und Lieferanten vereinbart; sie sollen dafür Wandelanleihen erhalten. Hinzu kommt noch ein Gesellschafterdarlehen von einer Milliarde Euro, das France Telecom MobilCom gewährt hat. MobilCom würde also um 6,8 Milliarden Euro entlastet.

Weitergehende Ergebnisse dementierte France Telecom jedoch am Freitag. "Es wird keine weiteren Zahlungen an MobilCom geben", sagte Unternehmenssprecher Bruno Janet. Die Verhandlungen dauerten an und er hoffe auf einen baldigen Abschluss. France Telecom hat rund 70 Milliarden Euro Schulden und will auf keinen Fall diese Last weiter erhöhen. Der neue Chef Thierry Breton will in Kürze darlegen, wie er sich den Schuldenabbau und die Zukunft des Unternehmens vorstellt.

Nach den einschränkenden Bemerkungen aus Paris meldete sich MobilCom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid zu Wort und forderte die Franzosen auf, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen. "France Telecom hat kein Interesse und keine Verantwortung mehr für MobilCom", ließ er eine Sprecherin ausrichten. Daher sollten die Franzosen ihre Anteile von 28,5 Prozent an das Unternehmen zurückgeben. Schmid rechnet offenkundig nicht mehr damit, dass seine eigenen Anteile von France Telecom übernommen werden. Gemeinsam mit seiner Ehefrau wäre er auch künftig der Mehrheitsaktionär von MobilCom, wenn nicht ein anderer Interessent ins Spiel kommt.

Mit der weitgehenden Entschuldung von den Kosten der UMTS-Lizenz wäre MobilCom endgültig gerettet und sanierungsfähig. Bereits drei Mal ist das Unternehmen nur knapp an einem Insolvenzverfahren vorbeigerutscht, weil die Banken ihre Fristen verlängerten, zuletzt am vergangenen Montag. Die neue Deadline, bis zu der Klarheit über die Kredite herrschen soll, ist nun der 31. Oktober. Wie auch immer das endgültige Ergebnis der Verhandlungen Vogels in Paris aussieht, es muss durch eine MobilCom-Hauptversammlung gebilligt werden. Hier sind die Stimmen von Ex-Chef Schmid maßgeblich, die bislang nicht an einen Treuhänder übertragen wurden. Schmid erklärte am Freitag, er begrüße es, wenn eine konstruktive Lösung erreicht werde.

Kaum noch eine Rolle spielen die von der Bundesregierung kurz vor der Wahl in Aussicht gestellten 400 Millionen Euro Kredite von staatlichen Banken, von denen bislang nur 50 Millionen Euro ausgezahlt wurden. Da MobilCom eine abschlieĂźende Einigung mit France Telecom nur erreichen kann, wenn sie auf alle RechtsansprĂĽche verzichtet, sind fĂĽr diese Kredite keine Sicherheiten mehr verfĂĽgbar. (Eckart Gienke, dpa) / (jk)