Halbzeitbilanz: Elektrosmog-Grenzwerte nicht ĂĽberschritten
In Bayern erfasst eine Studie sämtliche hoch- und niederfrequenten elektromagnetischen Wellen von Radio- und Fernsehsendern, Radarstationen sowie die Strahlung an Hochspannungsleitungen, Bahnanlagen und Industrieansiedlungen.
Bei der ersten landesweiten Elektrosmog-Studie in Bayern ist bisher kein einziger überhöhter Wert gemessen worden. "Weder bei Mobilfunk noch bei Radiowellen und Fernsehsendern haben wir Grenzwertüberschreitungen festgestellt", zog der zuständige Abteilungsleiter im Bayerischen Landesamt für Umweltschutz, Wolfgang Vierling, am Freitag bei einer Messung in Schwabhausen (Landkreis Dachau) eine Halbzeitbilanz des Monitorings für Elektromagnetische Felder (EMF). Beim Strom sei die Stärke der elektromagnetische Felder sogar weit unterhalb der Grenzwerte geblieben. Überraschend sei dieses Ergebnis allerdings nicht, da alle größeren Funkanlagen vor ihrer Zulassung einer Prüfung unterworfen seien.
Seit Mitte August war ein Messwagen mit einem eigens dafür entwickelten Messantennenaufbau zu nach Zufallskriterien ausgewählten Orten in Bayern gestartet. Bisher haben die Messteams des Landesamtes für Umweltschutz an 195 Orten das gesamte Frequenzspektrum erfasst, pro Stunde werden rund 10.000 Werte gemessen. Insgesamt sollen bis zum Frühsommer 2003 die Werte an 400 Orten erfasst werden. Dabei wird nicht nur die Strahlung in der Nähe von Mobilfunkmasten einbezogen, sondern sämtliche hoch- und niederfrequenten elektromagnetischen Wellen von Radio- und Fernsehsendern, Radarstationen sowie die Strahlung an Hochspannungsleitungen, Bahnanlagen und Industrieansiedlungen.
Mit der Studie will der Freistaat den Sorgen in der Bevölkerung Rechnung tragen und zur Objektivierung beitragen. Um die Entwicklung der Strahlungsbelastung insbesondere durch die Errichtung des UMTS-Netzes zu erfassen, soll die Untersuchung in drei bis fünf Jahren wiederholt werden. "Der Mensch hat sich eine künstliche elektromagnetische Umwelt aufgebaut, jetzt sollen die Veränderungen verfolgt werden", erläuterte Vierling. Die Ergebnisse würden zu einem Indikator zusammengefasst, mit dem die Veränderungen gemessen und überwacht werden könnten.
Verschiedene Arten von "Elektrosmog" können nach Auffassung von Bürgerinitiativen möglicherweise das Immunsystem schwächen und bestimmte Krebsarten fördern. Die hochfrequente Strahlung der Handys soll nach Ansicht mancher Forscher möglicherweise beim Benutzer Schädigungen am Glaskörper im Auge, die Entwicklung von Augenhintergrundmelanomen oder auch von Tumoren im Kopf fördern.
Etwa 600.000 Euro soll die bayerische Studie im ersten Jahr kosten. Handlungskonsequenzen aus der Studie sind zunächst nicht zu erwarten, es sei denn, es würden erhebliche Erhöhungen der Messwerte oder gar Grenzwertüberschreitungen festgestellt. "Wenn sich wider Erwarten wesentliche Änderungen ergeben, soll gegengesteuert werden", sagte Vierling.
Der Branchenverband Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) in Berlin kündigte an, die Mobilfunkindustrie werde zur Forschung über Elektrosmog 8,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen. "Die neue Studie beweist: Der Mobilfunk in Deutschland ist sicher", betonte der Geschäftsführer des Verbandes, Immo von Fallois. Weitere Langzeitstudien seien jedoch sinnvoll. (dpa) / (mw)