Wirtschaftsstandorte in der vernetzten Welt -- kein Ende der Distanz

Die Deutsche Bank präsentiert eine neue Studie zu Internet-Revolution und New Economy: Traditionelle Standortfaktoren werden nicht bedeutungslos.

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Von
  • Torge Löding

Die zunehmende Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK) forciert tief greifende strukturelle Änderungen der globalisierten Wirtschaft -- einen "Death of Distance" oder eine vollständige Verdrängung von Ballungsgebieten durch den virtuellen Raum gibt es allerdings nicht. Das ist zumindest das Ergebnis der Studie "Standortwahl in der vernetzten Welt -- kein Ende der Distanz", die Deutsche Bank Research veröffentlicht hat.

Der Übergang in die Informationsgesellschaft hat die traditionellen Standortfaktoren bei Unternehmensentscheidungen keineswegs bedeutungslos gemacht. Zwar ermöglicht die moderne IuK-Technologie, Wertschöpfung über Kontinente und Zeitzonen zu verteilen. Dennoch wird es in naher Zukunft keinesfalls massiv zu Standortverlagerungen in weniger entwickelte Länder mit niedrigeren Lohnkosten kommen. Wissensintensive, komplexe Produktionsprozesse werden sich mittelfristig sogar noch stärker als bisher in den Wirtschaftszentren der hochentwickelten Regionen konzentrieren, schreiben die Wissenschaftler Stefan Heng und Jürgen Schaaf.

Etablierte Unternehmen betonen andere Kriterien bei der Standortwahl als Startups. Das Gewicht der Auswahlkriterien verschiebt sich über den Lebenszyklus des Unternehmens hinweg. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass Unternehmen in jeder Lebensphase fest in ihrer Heimat verwurzelt sind. Besonders den Universitäten als Brutstätten hochqualifizierten Personals kommt als Standortfaktor weiterhin große Bedeutung zu.

Gleichwohl ortet die Studie auch Chancen für Schwellenländer: Solche mit vertrauenswürdigen Institutionen und guter technischer Infrastruktur hätten die Chance, wirtschaftlich aufzuholen und somit nicht in den digitalen Graben zu stürzen. (tol)