Brumm-Buster gesucht [Update]
Allein in Deutschland leiden Tausende unter einem nächtlichen Brummton, der nun flächendeckend untersucht werden soll.
Allein in Deutschland leiden Tausende unter einem Phänomen, für das es bislang keine gesicherte Erklärung gibt: Sie hören und spüren in ansonsten ruhiger Umgebung, also vor allem nachts, einen tieffrequenten, nicht zu lokalisierenden Brummton. Fast wortgleich berichten Betroffene aus aller Welt, dass sie den Ton zunächst für einen defekten Kühlschrank hielten oder für einen entfernten LKW-Dieselmotor im Leerlauf.
Die Auswirkungen beschreibt die unabhängige Interessengemeinschaft zur Aufklärung des Brummtons (IGZAB) auch als "im Körper spürbare Vibrationen", die die Opfer aus dem Schlaf reißen und zu Übelkeit und Unwohlsein führen können. Der Ton wirke in geschlossenen Räumen wesentlich lauter als im Freien. Sogar ein TV-Beitrag in der ZDF-Reihe "Abenteuer Wissen" hatte sich am 2. Oktober 2002 mit der Sendung "Rätselhafte Signale. Woher kommen sie?" des Brummton-Problems und der IGZAB angenommen. Erhöhter Blutdruck, Herzrasen und Druck auf den Ohren seien typische Begleiterscheinungen des Brummtons. Dessen Grundfrequenz wird im tiefen Bassbereich erlebt; sie ist von der Netzfrequenz unabhängig. Zur Grundfrequenz tritt oft eine zweite, vermutlich amplitudenmodulierte Oberwelle oder eine zweite Frequenz, ein Signal, wie es auch militärische Längstwellensender (z.B. ELF-Anlage in Berlin-Tempelhof, "Codename Teddybär") aussenden. Dadurch kommt es zu einem langsamen Auf und Ab des Tons.
Schweizer Forscher meinten bereits im März dieses Jahres, die Ursache des Brummens lokalisiert zu haben: Demnach sollen Hochspannungs-Freileitungen an Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit oder Nebel die umgebenden Wassertröpfchen zum Schwingen anregen. Der Abschlussbericht der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU) schließt allerdings eine gemeinsame akustische Ursache bzw. Quelle für den Brummton aus. Gegenüber der Netzeitung bestätigte die LfU aber die physikalische Nachweisbarkeit: Die Töne seien also keineswegs eine Einbildung von Verrückten. "Die Leute haben etwas gehört - und es wurde gemessen", so Dagmar Berberich-Stieber von der LfU.
Die IGZAB will, nachdem die sporadischen Messungen im letzten Jahr nur unzureichende Ergebnisse brachten, dem Phänomen nun stochastisch auf die Schliche kommen. Der Hardware-Entwickler Heinrich Willecke aus Braunschweig, selbst ein Opfer des nächtlichen Brummtons, möchte als "Meßaufnehmer" die Brumm-Opfer selbst zum Einsatz bringen. Auf einem Handheld-PC oder Organizer sollen die Betroffenen Ort, Intensität und über einen Schwebungsvergleich auch die Frequenz des Tons eingeben, was später mit den Daten anderer Opfer korrelliert wird und eine Art Brumm-Landkarte ergeben soll. Dafür suchen Willecke (brummton@gmx.de) und die IGZAB noch Programmierer und Sponsoren, die einerseits die nötige Log-Software erstellen können und andererseits den Opfern eine Anzahl Organizer für einen Zeitraum von etwa drei Monaten ausleihen. (cm)