Die rege Geschäftstätigkeit der Gates-Stiftung in der Kritik
Aktiengeschäfte der Bill and Melinda Gates Foundation lassen Kritiker an der Unabhängigkeit der Stiftung zweifeln.
Die Bill and Melinda Gates Foundation hat ihr Aktienportfolio an der Kabelfernsehgesellschaft Cox Communications um 187,2 Millionen US-Dollar erhöht und besitzt mit nunmehr 5,8 Prozent das größte Paket unter den außenstehenden Anteilseignern. Die Nachricht als solche wäre nichts Besonderes -- schließlich müssen auch wohltätige Stiftungen zusehen, wie sie ihr Geld anlegen und vermehren. In diesem Fall aber werden US-amerikanische Steuerrechtler aufmerksam, da sich die Interessen der Gates-Stiftung mit dem Microsoft-Konzern überschneiden können, schreibt das Wall Street Journal.
Microsoft und Cox Communication stehen nämlich seit einiger Zeit in Verhandlungen über eine Kooperation. Beide wollen eventuell gemeinsam schnelle Internetdienste über Kabel anbieten. Cox-Manager Dallas Clement bestätigt dies auch, fügt aber hinzu, dass Bill Gates' Investitionen und die seiner Stiftung völlig voneinander getrennt seien. Da ist zu hoffen, dass Michael Larson, der sowohl Gates' Aktien wie die der Stiftung verwaltet, den Überblick behält.
Das scheint aber nicht die einzige Angriffsflanke für Kritiker der Stiftung zu sein: Die Bill and Melinda Gates Foundation, die sich beispielsweise um Gesundheitsprojekte in der dritten Welt kümmert, hatte der US-Börsenaufsicht SEC Anfang des Jahres gemeldet, dass sie Aktien der neun größten US-amerikanischen Pharmakonzerne gekauft hat. Dadurch könnten sich Interessenverstrickungen ergeben, glauben Kritiker, und das zu einer Zeit, in der heftig über die Preise von Medikamenten für arme Länder diskutiert wird.
Die Gates-Stiftung ist, wie andere Wohltätigkeitsorganisationen auch, von der Steuer befreit. Steuerexperten sehen in dem Erwerb der Cox-Anteile zumindest einen Anlass zur Prüfung, ob sich nicht die Interessen von Microsoft und der Stiftung vermischen. Michael Larson kaufte das erste Paket für die Gates-Stiftung im Wert von 199,8 Millionen US-Dollar von der Cox Holding. Zeitgleich kaufte Larson für das persönliche Portfolio von Bill Gates Cox-Aktien für 299,7 Millionen US-Dollar. Die Geschäfte wirken zwar zwielichtig, aber die Experten gehen davon aus, dass der Stiftung nach dem derzeitigen Stand die Steuerbefreiung nicht entzogen wird. (anw)