Ericsson sucht die Talsohle
Mit einer pessimistischen Botschaft zur Lage der Telekom-Branche leitet die FĂĽhrung des schwedischen Konzerns eine weltweite Werbetournee zur Gewinnung neuer Anleger ein.
Mit einer pessimistischen Botschaft zur Lage der Telekom-Branche hat die Führung des schwedischen Ericsson-Konzerns am heutigen Dienstag eine weltweite Werbetournee zur Gewinnung neuer Anleger eingeleitet. Die eigentliche Zeichnungsphase läuft vom 15. August bis zum 3. September. Vorstandschef Kurt Hellström meinte vor Investoren und Analysten in Stockholm: "Die Lage ist manchmal so düster, dass es fast unglaublich erscheint." Der angeschlagene schwedische Konzern will zur Verbesserung seiner Finanzlage neue Aktien für 30 Milliarden Kronen (3,2 Milliarden Euro) ausgeben, die im Prinzip bereits von Großanlegern garantiert sind.
Weiter meinte Hellström: "Wir glauben, dass es irgendwo eine Talsohle gibt und wir begonnen haben, uns ihr zu nähern." Langfristig werde Ericsson sich wieder als gewinnträchtiges Unternehmen erweisen. Im Prospekt für Neuanleger verwies der Konzern auf eine erwartete Verdoppelung der Zahl von Handy-Abonnenten auf weltweit 1,7 Milliarden.
In diesem Jahr werde es aber auf keinen Fall eine Erholung geben. Für 2003 will Ericsson keine Prognose abgeben, richtet sich nach Angaben von Hellström aber auf eine dauerhafte Krise ein. Beim ersten von 50 geplanten Treffen mit Investoren bestritten Hellström und Aufsichtsratschef Michael Treschow Zeitungsmeldungen, wonach schon jetzt klar sei, dass die Neuemission nicht ausreichen werde, um Ericsson zu stabilisieren; das trotz der Unterstützung durch den Verband der schwedischen Aktiensparer, die zur Zeichnung der Ericsson-Aktie aufgerufen haben.
Die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri berichtete am Dienstag, dass nach den Zahlen des Emissions-Prospekts möglicherweise die gesamten 30 Milliarden Kronen durch Begleichung kurzfristiger Schulden (22 Milliarden Kronen) sowie durch Umstrukturierungskosten (7 Milliarden Kronen) schon "aufgefressen" seien. Schlimmstenfalls könne ein sofortiger zusätzlicher Bedarf über 10 Milliarden Kronen anfallen, schrieb das Blatt.
Die Ericsson-Aktie hat in den letzten zwei Jahren 95 Prozent ihres Wertes verloren und wurde in den vergangenen Wochen von den fĂĽhrenden Kreditbewertungsfirmen in den USA heruntergestuft. Am Dienstag stieg der Aktienkurs in Stockholm bis zum frĂĽhen Nachmittag um 4,5 Prozent auf 7,90 Kronen (0,9 Euro). (dpa) / (anw)