Spammer ohne Skrupel [Update]

Normalerweise halten sich Spammer im Verborgenen auf.

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Von
  • Holger Bruns

Gestern abend fand sich in wohl nicht wenigen Mailboxen ein leider nicht unüblicher Porno-Spam. Die Zuckerpuppe123@u-boot.com warb mit sehr eindeutigen Worten für ihre telefonsexuellen Vorzüge. Es war diesmal aber weder ein 0190er-Anschluß noch der Anrufbeantworter einer Mobilfunknummer, die der am Zuckerpüppchen interessierte Kunde wählen sollte. Die Spam-E-Mail weiter: "Also, wenn du immer noch Interesse hast, wäre es schön, wenn du dich melden würdest. Das geht einmal unter 11884, frag nach der Zuckerpuppe (Keine Hotline, und auch keine Warteschleifen!!), oder aber auch über E-Mail selbstverständlich."

Hinter der Rufnummer 11884 verbirgt sich eine private Telefonauskunft. Es ist die Firma Telix AG mit Sitz im bayrischen Hohenschäftlarn. Die Telix AG betreibt zusätzlich eine Weitervermittlung, ist jedoch nicht der Anbieter "dieses oder ähnlicher Dienste", wie die Firma beteuert: "Wir sind jedoch in der Lage, Ihnen die Adresse des Anbieters zu nennen, an den Sie sich dann bitte wenden."

Die Zuckerpuppe123 arbeitet demnach mit dem sächsischen Telekommunikationsanbieter Euratel -- der aber distanziert sich von Spam per Fax und E-Mail.

Eine Mitarbeiterin des Unternehmens gab gegenüber dem Autor am Telefon zuerst ganz offen zu, Spam zu verschicken, übrigens nicht nur per E-Mail, sondern auch per Fax. Die Frage, ob EuraTel die E-Mail-Adressen irgendwo im Netz zusammentrage und deren Besitzern dann Werbung zuschicke, beantwortete EuraTel kurz und bündig mit "ja". Die Euratel-Mitarbeiterin hatte keinerlei Bedenken hinsichtlich der Werbeform. Und das, obwohl die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Firma eine andere Sprache sprechen: "Der Auftraggeber verpflichtet sich zur strikten Einhaltung der wettbewerbsrechtlichen Vorschriften. Dies meint insbesondere die Unterlassung unerwünschter Werbung per Telefax oder SMS sowie die Unterlassung von Werbung für eigene oder fremde Rufnummern auf den Audiotexsystemen anderer Anbieter." Immerhin: Für unverlangte Faxe und Emails biete man unter der Nummer 0341 / 1 28 73 00 ein telefonisches Opt-Out-Verfahren an. Wer EuraTel seine Faxnummer oder seine Email-Adresse nennt, werde sofort aus den Listen dieser Firma wieder ausgetragen.

Mittlerweile stellt die Firma die Lage allerdings anders dar: Eine Aushilfskraft in der Telefonzentrale von EuraTel sei es gewesen, die Anrufern mit telefonischen Spam-Beschwerden erklärte, EuraTel sammele E-Mail-Adressen und Faxnummern für Werbezwecke. Diese Auskunft sei aber definitiv falsch, betonte Andreas Nehring, Marketingleiter des Leipziger Telekommunikationsunternehmens. Sein Unternehmen pflege keine Kundenlisten für Opt-Out-Verfahren. EuraTel distanziere sich von Spam per Fax und E-Mail.

Allerdings könne man bei der "Vielzahl der Kunden nicht jedes Angebot prüfen", wie der EuraTel-Marketingleiter abschwächend hinzufügte. EuraTel würde lediglich im Nachhinein den schwarzen Schafen aufgrund von Beschwerden auf die Füße treten. Die Firma hielte sich streng an ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen und an den Kodex der Freiwilligen Selbstkontrolle Telefonmehrwertdienste.

Den Telefonsex mit der Zuckerpuppe bietet, so EuraTel, eine Frau aus Hamburg an, die heise online inzwischen namentlich bekannt ist. Leider war es bis jetzt nicht möglich, Zuckerpuppe123 für eine Stellungnahme zu erreichen. (Holger Bruns) / (jo)