Bilanzfälschungs-Vorwurf gegenüber GE CompuNet
In einem anonymen Brief weisen mutmaßliche Mitarbeiter des IT-Dienstleisters auf Bilanztricksereien hin.
Gegen die deutsche IT-Dienstleistungs-Tochter des US-Mischkonzerns General Electric -- GE CompuNet -- ist anscheinend Anzeige wegen Bilanzfälschung erstattet worden. Dem Nachrichtensender n-tv liegt nach eigener Angabe ein anonymer Brief vor, in dem mutmaßliche Mitarbeiter der GE-Tochtergesellschaft dem Unternehmen vorwerfen, über längere Zeit die Rechnungslegung manipuliert zu haben.
"Wir sind Mitarbeiter der GE CompuNet und möchten nach langem Ringen unser Gewissen befreien und haben uns entschlossen, diese Anzeige aufzugeben", zitiert n-tv das Schreiben. Darin werde dem Netzwerkspezialisten unter anderem vorgeworfen, Kundenaufträge gebucht zu haben, die tatsächlich aber erst Monate später eingangen seien. Später seien die fiktiven Rechnungen vernichtet und die Buchung nachträglich bereinigt worden. "Gemogelt und verschleiert wird bei GE CompuNet schon seit langer Zeit. Es wird (...) alles getan, um die Quartalszahlen mit entsprechend vorgegebenen Zielerfüllungen zu erreichen", so die Vorwürfe. Diese Praktiken seien auch den CompuNet-Gründern Jost Stollmann -- der 1998 einer breiteren Öffentlichkeit als eher glückloser Kandidat für das Wirtschaftsministerium unter einem (damals potenziellen) Kanzler Gerhard Schröder bekannt wurde -- und Günther Lamperstorfer sowie GE-Vize-Chairman Dennis Dammermann bekannt gewesen.
"Uns liegt bislang keine Kopie des Schreibens vor", sagte CompuNet-Sprecherin Uta Letzel gegenüber heise online. "Die Vorwürfe halten wir für unbegründet -- wir nehmen sie aber trotzdem ernst und haben bereits eine Untersuchung mit externen Experten eingeleitet." Erster Ansprechpartner für Kritik an Managementpraktiken sei im übrigen eine unabhängige Ombudsfrau (einen Betriebsrat gibt es bei CompuNet nicht) -- dieser sei von den Vorwürfen nicht bekannt. "Integrität gehört zu den grundsätzlichen Werten, für die wir einstehen", so Letzel. Jedem Mitarbeiter sei das klar -- schließlich werden alle in Fragen der Unternehmensphilosophie geschult. Dazu kämen regelmäßige Surveys am Arbeitsplatz. (tol)