US-Direktvermarkter sind bedingt für Anti-Spam-Gesetz

Die Direct Marketing Association plädiert neuerdings für Gesetze gegen Spam -- doch sollten diese nicht allzu streng sein.

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Sinneswandel bei der Direct Marketing Association (DMA): Der Branchenverband unterstützt neuerdings den Kampf gegen unerwünscht zugesandte Werbe-E-Mails. Bisher gehörte der Verband zu den Gegnern von Gesetzesinitiativen für ein USA-weites Verbot der Versendung von Spam-Mails oder unterstützte sie nur äußerst halbherzig. Nun heißt es unumwunden, die DMA gerate durch Millionen von irreführenden oder betrügerischen Nachrichten in Gefahr, mit der E-Mail einen vielversprechenden Marketing-Kanal zu verlieren. Das meint zumindest H. Robert Wietzen, Chef der DMA. Sie wurde 1917 gegründet und zählt in den USA 4.700 Unternehmen als Mitglieder.

"Spam muss gestoppt werden. Wir werden jeden nötigen Schritt unternehmen um sicherzustellen, dass die E-Mail als Kommunikationsmittel nicht auf Dauer angeblichen nigerianischen Witwen und anderen Rechtsverletzern überlassen wird", meinte Wietzen weiter. In den kommenden Monaten werde die DMA Verbraucher und Industrie weiter über den Umgang mit Spam und über technische Mittel aufklären. Es komme darauf an, kommerzielle E-Mails von Spam zu unterscheiden.

Die Erkenntnis der DMA, dass die Selbstregulation nicht gefruchtet habe und es Gesetze geben müsse, findet Ray Everett-Church von der Coalition Against Unsolicited Commercial Email (CAUCE) wichtig. Ansonsten wolle er abwarten, wie sich die Direktvermarkter verhalten. Die DMA hofft aber weiterhin, dass der US-amerikanische Kongress keine zu strengen Gesetze gegen unerwünschte E-Mails erlässt. Für DMA-Vizepräsident Jerry Cerasale ist zum Beispiel eine Opt-in-Auflage durch Bundesgesetze nicht akzeptabel und unökonomisch; er plädiert für Opt-out. Bei Opt-in-Modellen müssen Kunden der Weitergabe ihrer Daten oder dem Erhalt von Werbung ausdrücklich zustimmen.

Der Kampf gegen den Spam ist in den USA in vollem Gange. Anfang September wandten sich beispielsweise drei Verbraucherorganisationen an die Federal Trade Commission (TDC) mit einer Petition. "Die Amerikaner ertrinken in einer Flut kommerziellen Spams", heißt es darin. Zudem solle die FTC strikte Regeln erlassen, nach denen E-Mails eindeutig als rechtswidrig eingestuft werden können.

Mehr zur Internet-Seuche Spam: (anw)

  • Im Chat am Freitag dieser Woche diskutieren Vertreter der Werbewirtschaft, Verbraucherschützer und Axel Kossel, Redakteur von c't, mit den Lesern von heise online über das Thema "Kampf gegen Spam". Der Chat findet am 25.10. zwischen 15 und 16 Uhr statt. Der Chat-Raum ist wie gewohnt bereits eine Stunde vor dem offiziellen Start geöffnet.
  • c't bringt in der aktuellen Ausgabe 22/2002 unter anderem Artikel über Anwender- und Administrationstools gegen unerwünschte Werbe-Mails und einen Report darüber, wer hinter deutschsprachigem Spam steckt.