Studie: "Stabilität" und "Sicherheit" locken Unternehmen zu Open Source

Kostenerwägungen sind für Betriebe in Deutschland, Schweden und Großbritannien bei der Auswahl eines Betriebssystems weniger wichtig.

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Was reizt die Privatwirtschaft an Open-Source-Software am meisten, fragten sich die Marktforscher von Berlecon Research, und fanden durch eine Umfrage heraus: Hohe Stabilität und guter Schutz gegen unberechtigten Zugriff. Offenheit und Modifizierbarkeit des Quellcodes sind dagegen eher unwichtig. Für die Studie hat das Wirtschaftsforschungsunternehmen von Februar bis Mai dieses Jahres IT-Entscheider in 1.452 Firmen mit mindestens 100 Angestellten in den Ländern Deutschland, Schweden und Großbritannien telefonisch befragt. 395 von ihnen benutzen bereits Open-Source-Software (78 Prozent Linux, 9 Prozent FreeBSD) oder planen ihren Einsatz bis spätestens 2003. Diese wurden für eine detaillierte Befragung herangezogen.

Interessant ist, dass für die privatwirtschaftlichen Betriebe Kostenerwägungen bei ihrer Entscheidung für ein Betriebssystem erst an dritter Stelle kommen: 71 Prozent der Befragten fanden geringe Kosten sehr wichtig oder wichtig. Diese Wertschätzung haben dagegen für 83 Prozent die Kritierien hohe Stabilität und für 75 Prozent guter Schutz. Am unteren Ende der Skala rangieren unter anderem geringere Schulungskosten mit 27 Prozent, höheres Angebot an Anwendungen mit 40 Prozent und Kosteneinsparungen bei der Hardware mit 41 Prozent.

Rund 56 Prozent wollen überall oder zumindest in den meisten Bereichen von der Preis- oder Lizenzpolitik großer Softwareunternehmen unabhängig sein. "Diese Motivation für den Einsatz von Open-Source-Software gewinnt derzeit noch an Bedeutung," meint Thorsten Wichmann, Geschäftsführer von Berlecon Research. "Die aktuelle wirtschaftliche Lage sowie Änderungen der Lizenzbedingungen für Microsoft-Produkte lassen Unternehmen mögliche Alternativen zur verbreiteten Kombination Windows und Microsoft Office ernsthaft durchrechnen." Die grundsätzliche Unterstützung der Open-Source-Gemeinde spielt dagegen nur für 35 Prozent der Befragten eine Rolle.

Im Vergleich zu Schweden und Großbritannien wird Open-Source-Software in Deutschland am häufigsten genutzt: 44 Prozent der befragten Betriebe mit mehr als 100 Mitarbeitern haben Open-Source-Software zumindest in Teilbereichen im Einsatz. In Großbritannien und Schweden liegen die Anteile mit 32 und 18 Prozent deutlich niedriger.

Open-Source-Software ist am meisten als Server-Betriebssystem verbreitet. Allein in Deutschland haben bereits knapp 31 Prozent der Unternehmen und öffentlichen Institutionen Open-Source-Software auf Servern laufen oder planen die Installation innerhalb des nächsten Jahres. Darauf folgen in Deutschland mit jeweils 16 Prozent die Nutzung bei der Erstellung und dem Betrieb von Websites sowie der Einsatz für Datenbanken. Dagegen wird hierzulande nur in 12 Prozent der Betriebe Open-Source-Software auf den Desktops benutzt.

Die Studie Einsatz von Open-Source-Software in Unternehmen und öffentlichen Institutionen: Ergebnisse aus Deutschland, Schweden und Großbritannien wurde im Rahmen eines von der EU finanzierten Forschungsprojektes in Deutschland, Schweden und Großbritannien durchgeführt. Sie ist bei Berlecon kostenlos erhältlich. (anw)