Fusionsgespräche zwischen VoiceStream und AT&T -- ein Ablenkungsmanöver?
Ein Zusammenschluss zwischen dem US-amerikanischen Mobilfunkunternehmen und der Telekom-Tochter stößt bei US-Branchenkennern auf Skepsis; dafür bringen sie Cingular Wireless ins Gespräch.
Will die Deutsche Telekom mit den Gesprächen zwischen VoiceStream und AT&T Wireless von den Diskussionen über Ron Sommer und möglichen Verhandlungen mit einer anderen US-Mobilfunkfirma ablenken? Einige US-amerikanische Branchenkenner äußern zumindest Skepsis an dem mögliche Zusammenschluss zwischen der US-Mobilfunktochter der Telekom und dem Mobilfunkunternehmen, das aus einer AT&T-Abteilung hervorging. Das Wall Street Journal beschreibt das Geschäft jedenfalls als "unwahrscheinlich". Kritiker verwiesen auch darauf, dass eine Transaktion nicht die Schulden der Deutschen Telekom von gut 65 Milliarden Euro reduzieren würde. Dazu kämen noch kartellrechtliche Probleme und die Tatsache, dass die japanische Mobilfunkfirma NTT DoCoMo an AT&T Wireless beteiligt ist, heißt es in dem Bericht.
Die Gespräche zwischen AT&T Wireless und VoiceStream befänden sich in einem sehr frühen Stadium. Es werde wahrscheinlich Wochen oder gar Monate dauern, um eine Transaktion auszuhandeln, hieß es derweil. Bisher sei noch nicht über den Preis und über die Rolle des gegenwärtigen Managements in einer neuen Firma verhandelt worden. Die beiden Unternehmen konzentrierten sich vor allem auf die Struktur, die eine Fusion oder einen Kauf von AT&T Wireless durch VoiceStream beinhalten könne.
Ein großes Problem sei der hundertprozentige Anteil der Deutschen Telekom an VoiceStream und ihre daraus resultierende Macht als Aktionär in einer neuen Gesellschaft. Ein mögliches Szenarium sehe vor, dass die Deutsche Telekom ihren Anteil an der neuen Firma auf 30 bis 40 Prozent verringere und noch weniger Stimmrechte akzeptiere. Es sei aber unklar, ob die Firmen einen solchen Deal akzeptieren würden. AT&T Wireless hat 19,5 Millionen, VoiceStream 7,5 Millionen Mobilfunkkunden.
Viele Analysten glauben, dass die derzeit zweitgrößte US-Mobilfunkfirma Cingular Wireless starkes Interesse habe, selbst mit einer der beiden Firmen einen Deal abzuschließen. Cingular ist ein Joint Venture der US-Telefonkonzerne BellSouth und SBC Communications. Der SBC-Verwaltungsratsvorsitzende Ed Whiteacre habe Interesse an einer möglichen Transaktion mit VoiceStream bekundet. SBC hält einen Anteil von 60 Prozent an Cingular.
Cingular habe in einigen wichtigen US-Märkten keine eigenen Netze und kürzlich damit begonnen, das VoiceStream-Netz in New York zu nutzen. Im Gegenzug kann VoiceStream über das Cingular-Netz in Kalifornien arbeiten. Eine mögliche Übernahme von VoiceStream könnte Cingular Geld für die Märkte sparen, in denen VoiceStream bereits tätig ist. Gerüchte um eine Fusion von AT&T Wireless und Cingular gab es bereits Mitte April dieses Jahres schon einmal. Der Telekom-Aktie haben die Spekulationen anscheinend nicht geschadet. Sie notiert bislang bei 11,60 Euro und damit über 4 Prozent besser als gestern. (anw)