Lotus-GrĂĽnder arbeitet an Open-Source-Alternative zu Microsoft Outlook

Mitch Kapor arbeitet mit seinem Team an einem Personal Information Manager auf Open-Source-Basis speziell fĂĽr Privatanwender und kleinere Unternehmen.

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Raymond Chandler ist im Hause Kapor anscheinend ein gern gelesener Krimi-Autor. "Chandler" ist nämlich der Codename einer Open-Source-Entwicklung, die Microsoft Outlook Konkurrenz machen könnte. 5 Millionen US-Dollar hat der Gründer des Software-Unternehmens Lotus Mitch Kapor aus eigener Tasche in das Projekt Open Source Applications Foundation (OSAF) gesteckt.

Bereits zum Ende dieses Jahres wird eine erste frühe Version des Personal Information Managers (PIM) für Windows, Mac OS und Linux erwartet. Ende 2003 soll das Produkt dann fertig sein. Es zielt vor allem auf Privatanwender und kleinere Unternehmen bis zu 100 Mitarbeitern ab, die sich Anwendungen wie Lotus Notes oder Microsoft Outlook nicht leisten können.

Microsoft Outlook sei heute der PIM-Standard, der den Markt der Unternehmen und auch den der Privatanwender dominiere, heiĂźt es bei der OSAF. Der volle Funktionsumfang von Microsoft Outlook/Exchange wie die gemeinsame Nutzung des Kalenders komme allerdings erst in der Enterprise Edition zum Tragen. Diese sei schwierig zu administrieren, kostspielig und laufe zudem nur auf Windows.

Hier soll "Chandler" ansetzen, und zwar an anderer Stelle als Projekte, die sich Outlook zum Vorbild nähmen. Diese wollten den Nutzern bekannte Funktionen bieten, gerieten damit aber auch in die Gefahr, Design-Nachteile gleich mit zu integrieren. Deshalb will die OSAF den PIM neu überdenken und dabei moderne Komponenten wie integriertes Instant Messaging oder das Peer-to-Peer-Prinzip berücksichtigen. Schließlich soll der neue PIM kompatibel sein zu Anwendungen wie iCal, vCard und dem Jabber-Protokoll.

In dem Projekt arbeiten außer Mitch Kapor, der unter anderem Lotus 1-2-3 -- die "Killerapplikation" für den IBM PC -- mitentwickelt hat, einige bekannte Namen aus der Geschichte der Computerei. Dazu gehören John Anderson, Entwickler der Textverarbeitung WriteNow für Mac und Manager Applikationssoftware bei NeXT; Andy Hertzfeld, ein Mitglied des ursprünglichen Mac-OS-Teams bei Apple und Tim O'Reilly, einer der zentralen Figuren der Open-Source-Gemeinde, der auch für seine Computerpublikationen bekannt ist. (anw)