Neustar macht das Geschäft mit .cn-Domains
Zunächst sollen außerhalb Chinas die Adressen .com.cn, .net.cn und .org.cn im Angebot sein; über die Second Level Domains wird noch verhandelt. Die Domainnamen unterliegen den strikten Regulierungen des Internet in China.
Der US-Domain-Anbieter Neustar/Neulevel tritt als alleiniges Gateway für cn-Domains für Firmen im Ausland auf. Für einen Preis zwischen 20 und 30 US-Dollar will der Anbieter für .biz und .us-Adressen die chinesischen country code Top Level Domain (ccTLD) an Registrare in aller Welt vergeben. Dafür hat Neustar mit der cn-Registrierstelle CNNIC einen Exklusivvertrag abgeschlossen. Details will das Unternehmen beim Treffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) in Shanghai in der kommenden Woche bekannt geben. "Dies ist das erste Mal, dass China einer ausländischen Firma den Eintritt in den chinesischen Internet-Domainmarkt erlaubt hat", verkündete NeuStar.
Zunächst sollen die Adressen .com.cn, .net.cn und .org.cn im Angebot sein, sagte ein Sprecher von Neustar in Deutschland. "Was die Second-Level-Domains [Registrierungen direkt unter .cn, d. Red.] angeht, wird gerade verhandelt. Es ist vorstellbar, dass auch diesbezüglich eine Kooperation zwischen NeuStar und dem CNNIC in Zukunft stattfinden wird." Auch für die Entwicklung künftiger ENUM-Services haben beide Unternehmen eine Partnerschaft. Mittels ENUM (Telephone Number Mapping) sollen User über den Eintrag ihrer Festnetznummern als Domains unter e164.arpa weltweit übers Netz auffindbar und entsprechend der von ihnen in der Registry eingetragenen Kontaktadressen erreichbar sein. In Deutschland hat das DeNIC bereits einen ENUM-Testversuch gestartet.
Inwieweit Registrare das CNNIC-Neustar-Gateway durch Registrierungen über chinesische cn-Registrare umgehen können, ist bislang unklar. Eine erste Anfrage bei CNNIC ergab allerdings, dass ausländische Unternehmen durchaus einen Registrar in China in Anspruch nehmen könnten. Ganz sicher ist nur, dass NeuStar zumindest vorläufig einziger ausländischer Registrar in der cn-Registry sein wird. Dieser Coup kommt in einem Moment, in dem das chinesischen Domaingeschäft insgesamt komplett neu strukturiert wird. Ende September verkündete das Ministry of Information Industry (MII) neue Richtlinien für die Domainregistrierung, die eine lang angekündigte Liberalisierung der Registrierung bedeuten. Danach nimmt CNNIC, das künftig den Endverkauf dem Wettbewerb öffnet, derzeit Anträge für chinesische cn-Registrare entgegen: "Als Registry wird CNNIC verschiedene Registrarunternehmen für Domainregistrierservices auswählen, und damit einen marktgetragenen Wettbewerb einzuführen und für mehr Servicequalität zu sorgen".
Strikte Regelungen gelten allerdings für die inhaltliche Gestaltung der Domains: Domainnamen, die der Verfassung widersprechen oder gegen Staat und Regierung gerichtet sind, diejenigen, die Sekten propagieren sowie die Domains, die Gerüchte oder Pornographie verbreiten sind ebenso verboten wie Domains, die Rechte oder Interessen Dritter verletzen. Dieser Standardkatalog ist auch aus anderen Internet-relevanten Gesetzen der Volksrepublik inzwischen hinlänglich bekannt. (Monika Ermert) / (jk)