MobilCom: Unsicherheit trotz positiver Signale

France Telecom legt sich nicht fest; ein Konsortium unter Einbindung von Bund und Land Schleswig-Holstein verhandelt ĂĽber den angeforderten "deutschen Beitrag" zur Rettung von MobilCom.

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Von
  • Eckart Gienke
  • dpa

Das angeschlagene Mobilfunkunternehmen MobilCom hat am Dienstag einige positive Signale empfangen, steht aber weiterhin einen Schritt vor dem Abgrund. "France Telecom ist auf einem guten Weg zu einer Lösung, um das Unternehmen zu retten", sagte ein französischer Gewerkschafter nach einer Sitzung des Verwaltungsrats bei France Telecom, die keine greifbaren Ergebnisse brachte. Ähnlich äußerte sich der Finanzchef des Unternehmens, Jean-Louis Vinciguerra: "Es scheint, als zeichne sich auf deutscher Seite eine Lösung ab."

Damit richtet sich die Aufmerksamkeit wieder auf die staatlichen Hilfen, die Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eine Woche vor der Bundestagswahl in Aussicht gestellt hatte. "Der Bund ist zu Recht in die Verantwortung gegangen", sagte der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) in Berlin. Wegen der hohen Einnahmen des Bundes von 8,4 Milliarden Euro für die Lizenzen des neuen Mobilfunkstandards UMTS stehe Berlin in einer besonderen Pflicht. "Dies ist kein normaler Fall", sagte Rohwer.

Die Bundesregierung hatte Kredite über 400 Millionen Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Landesbank Schleswig- Holstein in Aussicht gestellt, die nach banküblichen Kriterien vergeben werden sollen. Tatsächlich geflossen sind bislang lediglich 50 Millionen Euro, für die sich der Bund verbürgt hat. Die Banken verlangen ein geprüftes Geschäftskonzept und Sicherheiten, die MobilCom gegenwärtig nicht bieten kann. Die Kieler Landesbank erklärte, sie verhandele in einem Konsortium "unter Einbindung von Bund, Land und MobilCom". Wer diesem Konsortium angehört, wollte die Bank nicht sagen. Rohwer erklärte, das Land Schleswig-Holstein werde sich bis zu einem Betrag von 20 Millionen Euro für Kredite an MobilCom verbürgen.

France Telecom besteht auf einem deutschen Beitrag zur Rettung von MobilCom und will die Last nicht allein tragen. Nach verschiedenen Äußerungen aus Paris ist aber klar, dass France Telecom einen Großteil der MobilCom-Schulden in der Größenordnung von rund sieben Milliarden Euro übernehmen wird. Dafür wollen die hoch verschuldeten Franzosen das Problem endgültig vom Hals haben und nicht mehr mit Schadenersatzansprüchen konfrontiert werden.

Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrats von MobilCom mit dem Vermittler Dieter Vogel, der sich im Auftrag der Bundesregierung seit Wochen um eine Lösung bei France Telecom bemüht. Am Donnerstag werden zum vierten Mal Kredite über 4,7 Milliarden Euro fällig, die von den Banken abermals verlängert werden müssen. "Dann ist wieder Insolvenztag", scherzte ein Betriebsrat mit Galgenhumor. Tatsächlich können die Banken MobilCom kaum fallen lassen, wenn eine Gesamtlösung für das Unternehmen unmittelbar bevorsteht.

Weitere offene Fragen betreffen Forderungen von E-Plus in Millionenhöhe sowie die Rolle von Ex-MobilCom-Chef Gerhard Schmid. Der beteuert, er werde einer konstruktiven Lösung nicht im Wege stehen, verfügt aber nach wie vor über eine Mehrheit in der Hauptversammlung. Vermittler Vogel hat bislang nicht öffentlich auf Schmids Angebot reagiert, die Anteile Schmids treuhänderisch zu übernehmen. Für France Telecom ist der MobilCom-Gründer ein rotes Tuch. Geht es nach den Franzosen, soll er keinesfalls von der Rettung des Unternehmens profitieren. (Eckart Gienke, dpa) / (jk)