Milia: Keine Multimedia-Extratouren mehr in Cannes
Die traditionell zum Jahresbeginn stattfindende Multimedia-Messe Milia wird mit der Fernsehmesse MIPTV zusammengelegt, da sich die digitalen Medien und interaktiven Inhalte auf das Fernsehen ausrichten.
Die traditionell zum Jahresbeginn stattfindende Multimedia-Messe Milia gibt auf. Die Reed-Midem-Gruppe, Veranstalter verschiedener Medien-Messen in Cannes, gab bekannt, dass die Milia mit der MIPTV zusammengelegt wird. Diese Messe, die vor allem auf den Handel mit Fernseh-Übertragungsrechten ausgerichtet ist, bekommt die Milia als "Sondershow" eingegliedert, die vom 26. bis 28. März stattfindet. "Die Zukunft der digitalen Medien und der interaktiven Inhalte richten sich mehr und mehr auf das Fernsehen aus. Das Fernsehen ist das wichtigste und einflussreichste Medium für die Massen-Unterhaltung. Mit der Zusammenlegung von Milia und MIPTV eröffnen sich für die Produzenten interaktiver Inhalte ungeahnte Synergien", erklärte Milia-Direktorin Laurine Garaude.
Die Milia fand 1994 zum ersten Male statt. Konzipiert war sie zunächst als Messe für interaktive CD-ROMs und Datenbanken auf CD. Schon im zweiten Jahr wurde die Thematik auf Online-Dienste erweitert, nicht zuletzt auf Drängen des Haupt-Sponsors Apple, der auf der Milia 1995 seinen Online-Dienst eWorld in Europa einführte. Dieses Jahr brachte der Milia den zweifelhaften Ruf als Vaporware-Messe ein, weil die deutschen Firmen Burda Medien und Schwarz-Schilling GmbH den quietschbunten Dienst Europe Online starteten. Was als Zukunft der Vernetzung gepriesen wurde, bestand aus einer Sammlung von Bitmaps, die mit einem Demo-Generator zusammengestrickt waren. Die Präsentation, bei der noch das Blinken der Modems emuliert wurde, veranlasste den damaligen Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff dazu, schnell eine weit reichende Kooperation mit AOL abzuschließen.
Doch bereits im Folgejahr 1996 deklarierte die Milia das Internet als Sieger: Zahlreiche Hersteller zeigten ihre ersten Settop-Boxen mit dem Versprechen, dass Internet und Fernsehen verschmelzen werden. Im Rückblick betrachtet verdient auch die Milia des Jahres 1997 Erwähnung: die Messe wurde damals um eine Konferenz zum Digitalen Copyright-Management erweitert, auf der Industrievertreter den Standard SDMI festlegten.
Mit aufwendig inszenierten Preisverleihungen für Multimedia-Titel versuchte die Milia vom Image Cannes' zu profitieren, das wesentlich von den Filmfestspielen geprägt ist. Stars wie Peter Gabriel oder Catherine Deneuve bekamen Preise und defilierten auf rotem Teppich, auch wenn Laudatoren wie Douglas Noel Adams die gesamte Veranstaltung kräftig durch den Kakao zogen. Ebenso aufwendig war das begleitende Konferenzprogramm der Multimedia-Messe, das wesentlich davon profitierte, dass Computerstars wie Nicholas Negroponte oder Bill Gates ohnehin in der Nähe das Weltwirtschaftsforum zu Davos besuchten. Die Krise der Milia begann mit dem schrittweisen Rückzug des Hauptsponsors Apple. Im Jahre 2001 versuchten die Veranstalter der Milia mit dem Fokus auf Online-Spiele und Spielconsolen eine Neuausrichtung, doch hatten sie damit in Konkurrenz zur gleich alten Spielmesse E3 keinen Erfolg. (Detlef Borchers) / (jk)