Clement: Kein Auftrag zur Suche nach neuem Telekom-Chef
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat nachdrücklich einen Bericht zurückgewiesen, er sei von Bundeskanzler Gerhard Schröder mit der Suche nach einem neuen Chef für die Telekom beauftragt worden.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat nachdrücklich einen Bericht der Welt am Sonntag zurückgewiesen, er sei von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit der Suche nach einem neuen Chef für die Telekom beauftragt worden. Das sei "absoluter Quatsch", sagte Clement der Deutschen Presse-Agentur am Samstag am Rande eines Sonderparteitags der nordrhein-westfälischen SPD in Essen. Er habe weder den Auftrag erhalten, noch habe er irgendjemanden für die Suche nach einem Telekom-Chef eingeschaltet. Die Suche nach einem Kandidaten sei ausschließlich Aufgabe von Telekom-Chef Helmut Sihler und des Chefs des Aufsichtsrates, Hans-Dietrich Winkhaus. Zuvor hatte ein Regierungssprecher in Berlin bereits mitgeteilt, die Suche nach einem neuen Vorstandschef sei ausschließlich Sache des Aufsichtsrats.
Die Welt am Sonntag hatte berichtet, Schröder habe Clement beauftragt, sich in die Suche nach einem neuen Chef für die Telekom einzuschalten. Das Kanzleramt sei unzufrieden über das mangelhafte Telekom-Krisenmanagement von Finanzminister Hans Eichel (SPD). Für die Suche nach dem neuen Telekom-Chef habe Clement den ehemaligen Bertelsmann-Manager Hans-Roland Fäßler beauftragt.
Unterdessen gerät Winkhaus im Zusammenhang mit seiner Suche nach einem neuen Chef für sein Unternehmen zunehmend in die Kritik. Das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, in der Bundesregierung wachse der Unmut über Winkhaus. An einer Nachfolgelösung für den glücklosen Telekom-Aufsichtsrat werde in Berlin bereits hinter den Kulissen gearbeitet. Die Welt am Sonntag schreibt unter Berufung auf das Kanzleramt, Winkhaus habe viel zu hektisch in den vergangenen Wochen nach einem geeigneten Kandidaten gesucht.
Sobald die Nachfolgefrage geklärt sei, werde auch über den Aufsichtsratschef nachgedacht. "Winkhaus ist dann nicht mehr zu halten", zitiert das Blatt aus Kreisen, die dem Kontrollgremium der Telekom nahe stehen.
Der frĂĽhere Telekom-Aufsichtsratschef Rolf-Dieter Leister sagte dem Spiegel, die KandidatenkĂĽr sei "nur noch peinlich". Damit das Ansehen der Bundesrepublik nicht noch mehr Schaden nehme, mĂĽsse der Kanzler die Spitzenpersonalie beim wichtigsten Bundesunternehmen endlich zur Chefsache machen.
Winkhaus selbst verteidigte sein bisheriges Vorgehen. Bis Ende vergangener Woche habe er mit neun Bewerbern gesprochen, von denen fünf nun in der engeren Wahl seien, sagte er dem Spiegel. Er sei deshalb "sehr zuversichtlich, dass wir spätestens im Dezember einen Top-Kandidaten bestimmen werden". Dabei sei keiner der externen Kandidaten bisher in den Medien genannt worden. "Diskreter, besser und schneller kann man die Sache kaum machen, als sie bei uns abläuft". Winkhaus wies Vermutungen als unzutreffend zurück, der Aufsichtsrat habe sich bereits auf einen internen Kandidaten festgelegt. (dpa) / (se)